Binz hoch 3: Ein Vierteljahrhundert innovatives Engineering

Ein Vierteljahrhundert innovatives Engineering

5. Mai 2017

2018 feiert BINZ3 25-jähriges Bestehen. In diesem Vierteljahrhundert hat der Engineering-Dienstleister eine Reihe treuer Kunden unter namhaften Fertigungsunternehmen unterschiedlicher Branchen gewonnen. An der Veränderung der Schwerpunkte seiner Aktivitäten lässt sich auch ablesen, wie sich das industrielle Engineering unter dem Einfluss der Digitalisierung in dieser Zeit gewandelt hat.

Fabian BinzAls Fabian Binz (Foto Sendler) 1993 in Gaggenau bei Karlsruhe den Sprung in die Selbständigkeit machte, war sein Wettbewerbsvorteil insbesondere die Fähigkeit zum hoch professionellen Umgang mit 3D-Modellierung. Überall stieg die Industrie allmählich von der Zeichnungserstellung und von 2D-CAD auf das Volumenmodell um. Bei Binz – seit 1999 BINZ3 GmbH – konnten die Unternehmen sich projektweise die Kompetenz zukaufen, die sie selbst noch nicht hatten. CATIA von Dassault Systèmes galt zu dieser Zeit als eines der fortgeschrittensten Systeme. BINZ3 war Referenzanwender des Herstellers.

Wenn er heute zurückschaut, war es allerdings von Anfang an nicht nur die Technik der 3D CAD-Konstruktion, das Erstellen von modernen und für jedermann verständlichen Modellen, das ihn gereizt hat. "Es ging uns eigentlich immer darum, wie man mit neuester Technologie und modernen Prozessen völlig neuartige Produkte gestalten kann. Und in dieser Hinsicht hat sich bei uns prinzipiell nichts geändert. Aber die Schwerpunkte haben sich von der 3D-Modellierung zur Produktentwicklung und Konzeptlösungsfindung verlagert", verrät er mit einem selbstbewussten Lächeln. 3D-Modellierung ist heute fast in jedem Unternehmen Standard. Den Spezialisten im Südwesten gehen indes keineswegs die Aufträge aus. Im Gegenteil: Das heute 16-köpfige Team um Fabian Binz sucht neue Mitstreiter für neue Aufgaben. Dabei gilt als selbstverständlich, dass eine ganze Palette von Hard- und Software im Haus zur Verfügung steht. Für CAD CATIAV5, Siemens NX, SolidWorks und lnventor, für Simulation Siemens NX advanced simulation, CATIAFEM, CATIA Kinematik, als Datenbanken Smarteam, Teamcenter und Vault.

Ob endoskopische Operationsgeräte oder völlig neuartige Aufzüge – die Industrie ist auch an der jetzigen Schwelle ins Internet der Dinge auf kleine, flexible Unternehmen angewiesen, die technologisch auf dem neuesten Stand der Technik sind und keine Hemmungen vor radikal neuen Ideen haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist die im wahrsten Sinne des Wortes revolutionäre Aufzugstechnologie MULTI®, die thyssenkrupp noch in diesem Jahr im neuen Testturm in Rottweil vorstellen wird.

Revolution im Aufzug

Seit 160 Jahren basiert das System des Aufzugs auf der Nutzung von Seilzügen, mit denen eine Kabine in einem Schacht gehalten, bewegt und gebremst wird. Das Seil ist dabei so massiv, dass sein Eigengewicht schon bei mehr als 500 Metern Länge eine kritische Größe darstellt. Vom zu addierenden Gewicht der Kabine ganz zu schweigen. Dieses System ist also derzeit eine klare Grenze für den Bau nach oben, während Material und Baukunst inzwischen den Bau höherer Türme in greifbare Nähe rücken. Aber die heutige Technik verlangt auch generell die Einplanung von viel kostbarem Raum für die Aufzugsschächte, und dennoch sind die Wartezeiten vor einem Aufzug meist länger als erwünscht.

thyssenkrupp Illustration

Das neue MULTI-Aufzugssystem. Illustration von thyssenkrupp

Bei thyssenkrupp wurde vor einigen Jahren eine neue Idee geboren, und BINZ3 spielte in der Vorausentwicklung eine entscheidende Rolle mit Lösungskonzepten (8 Patentanmeldungen). Der Aufzug MULTI verzichtet auf jedes Seil und arbeitet mit Linearmotoren, deren Technologie sich thyssenkrupp mit der Übernahme von Transrapid ins Haus geholt hat. Unabhängig voneinander fahren die Kabinen mit eigenem Antrieb.

Funktionsprinzip des ExchangersEin sogenannter Exchanger (die Abbildung zeigt das Funktionsprinzip, Bild thyssenkrupp) sorgt dafür, dass die Kabine auch seitlich verfahren und einen anderen Schacht erreichen kann. Er ist an der Rückwand der Kabine angebracht und erlaubt über einen zusätzlichen Motor, Antrieb und Laufschienen der Kabine um 90 Grad zu drehen.

Auf diese Weise lassen sich mehr Kabinen in weniger Schächten unterbringen. Der Platzbedarf sinkt um bis zu 50%, die Förderleistung steigt um 50%, und die Wartezeit beträgt maximal 15 bis 30 Sekunden. Da brechen neue Zeiten an. Nach erfolgreicher und zugleich schneller Vorentwicklungsarbeit wurde BINZ3 auch mit der Ausführung einiger Herzstücke des neuen Systems betraut. Dazu gehört der Exchanger, und auch der Motor für seine Drehung basiert auf dem ursprünglichen Konzept aus Gaggenau.

Nachdem sich das Prinzip grundsätzlich geändert hat, ähnlich wie bei einem Elektro-Auto gegenüber einem mit Verbrennungsmotor, können nun ganz andere Prioritäten in den Vordergrund treten. Das Gewicht wird nicht mehr für die sichere Reibung benötigt, es sollte weitestgehend entfallen. Leichtbau ist gefragt, denn er befördert die Leistungsfähigkeit des neuen Aufzugs. Und minimale Größe der Bauteile und Baugruppen, denn so kann noch mehr Raum im Gebäude gewonnen werden.

Solche Herausforderungen sind für BINZ3 genau das Richtige. Fabian Binz: "Unsere Spezialisten haben schon in der Vorentwicklung Türschließmechanismen mit Faserverbundwerkstoffen entworfen, bei denen mit geradezu hauchdünnen Plättchen die Schachttüren gleichzeitig mit den Kabinentüren zu bewegen sind. Und der konzipierte Motor zur Drehung des Exchangers braucht nicht einmal 10 Zentimeter in der Tiefe."

Aber damit sind wir immer noch im reinen Engineering, und das ist nur ein Teil der angebotenen Dienstleistung. Die "3" im Namen steht nicht nur für die dritte Dimension, sondern auch für die drei Disziplinen, die im Rahmen eines erfolgreichen und effizienten Projektes gleichzeitig in Einklang gebracht werden müssen: das Engineering, das Projektmanagement und die Kommunikation.

Agiles Projektmanagement

Nur wenn ein Entwicklungsprojekt so betrieben wird, dass das optimale Ergebnis schnell und für alle Beteiligten transparent erreicht wird, ist es in den Augen von Fabian Binz ein erfolgreiches Projekt. In dieser Hinsicht hat er mit seinem Team eine eigene Methode entwickelt, die sich unter seinen Kunden inzwischen herumspricht und bereits Einiges verändert hat.

Die eingesetzte, webbasierte Software gestattet den rollenbasierten Zugriff aller Mitarbeiter, vor allem aber auch der Kunden auf die Projektdaten. Sie wurde bei BINZ3 so konfiguriert, dass das standardmäßig enthaltene Ticketsystem nun exakt für ihre Dienstleistungen passt. Das System ersetzt gewissermaßen das, was sonst (meist zum Verdruss der Beteiligten) über die immer noch gängigen Lasten- und Pflichtenhefte geregelt wird. Das Ticket beinhaltet die Aufgabe inklusive einer Beschreibung, die Arbeitsumfänge und die Verantwortlichen.

Von der Verantwortung des Konstrukteurs über die Inhalte jeder Teilaufgabe bis zur Freigabe durch den Projektleiter bei BINZ3 beziehungsweise beim Kunden gibt es auf diese Weise auch bei hoch komplexen Projekten keine verborgenen Tätigkeiten, die etwa im Nachhinein zu einer unerwarteten Verzögerung oder Verteuerung führen.

Dr. Thomas Kuczera, im neuen Entwicklungsteam von thyssenkrupp für die MULTI-Produktlinie Leiter der Mechanikentwicklung, nennt im Gespräch gerade diese Art des Projektmanagements bei BINZ3, das Kommunizieren über das Internet, als einen besonders attraktiven Punkt der Zusammenarbeit. Ganz nebenbei entfällt dabei übrigens auch der nach Aufgabenerledigung anfallende Lieferschein.

Projektlebenszyklus und Dokumentation

Der Dienstleister beschränkt sich aber nicht nur auf diese webbasierte Projektabwicklung. Jeder Beteiligte hat – ebenfalls per Browser – auch Zugriff auf ein weiteres System, das alle wichtigen Schritte, Ideen und Etappen eines Projektes und seiner Teilprojekte fortlaufend dokumentiert: Damit hat jeder Mitarbeiter, aber auch der Kunde schon lange vor Abschluss und Freigabe Zugriff auf Skizzen, Bilder und Beschreibungen von Problemen und ihren Lösungen. Damit kann man sie beispielsweise für die Kommunikation mit weiteren Beteiligten oder Lieferanten nutzen, da alle Informationen zentral in einem System abgelegt und dokumentiert sind. Informationen können fließen.

Projektideen AntriebsartenAus der Projektdokumentation: Ideenskizzen von Antriebsarten (Bild BINZ3)

So entsteht etwas, das Fabian Binz als Projekt-Lebenszyklus bezeichnet. Von der ersten Idee oder Anfrage bis zur Abnahme einer Lösung ist hier alles so dokumentiert, dass auch nach Jahren nichts verloren ist, selbst wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt aus guten Gründen in den Hintergrund treten musste oder sogar als Lösungsmöglichkeit ausgeschieden war.

Das Netz hinter den Spezialisten

Kommunikation ist natürlich auch in dieser Art der Projektorganisation ein zentrales Element. Aber für Fabian Binz ist es noch viel mehr. Seine Spezialisten sind nie auf sich gestellt.

Martin Krieg und Sebastian GriesardtMartin Krieg (li.) und Sebastian Griesardt im MULTI-Projekt (Foto Binz)

In regelmäßigen Abständen sitzen sie in Gaggenau am Besprechungstisch, manche per Web-Konferenz zugeschaltet. Dann erfahren alle, was gerade in welchem Projekt erreicht wurde oder wo es klemmt. Und noch wichtiger: Der jeweilige interne Projektleiter ist jederzeit bereit, einen Mitarbeiter bei auftretenden Fragen oder für neue Ideen mit den Richtigen zu vernetzen. Fabian Binz: "Ideen werden größer, wenn man sie teilt. Deshalb sehe ich unsere Aufgabe vor allem darin, dieses Netzwerk bereitzustellen und zu pflegen. Wenn Kunden unsere engagierten Mitarbeiter sehen, dann müssen sie immer wissen, dass dahinter auch noch dieses wichtige Netz steht."

Offensichtlich funktioniert das "Binz-Prinzip", wie der geschäftsführende Gesellschafter mit gutem Stolz die Arbeitsweise seines Unternehmens nennt, sehr gut. Die Mitarbeiter schätzen die Freiheit, die sie hier genießen, in Verbindung mit einem Netzwerk, das neueste Methoden und vielseitige Kompetenz miteinander koppelt.

© PLMportal

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