Interview mit Anton S. Huber zu Industrie 4.0

Interview mit Anton S. Huber zu Industrie 4.0

28.02.2015

Ulrich Sendler: Herr Huber, Sie sind CEO der neuen Division Digitale Fabrik. Wird diese Division nun der Lieferant von Industrie 4.0?

Anton S. Huber: Ich glaube nicht, dass irgendein Unternehmen Industrie 4.0 liefern wird. Industrie 4.0, Smart Factory, Internet der Dinge und vieles andere sind Begriffe, mit denen versucht wird zu beschreiben, in welche Richtung sich die Industrie unter dem Einfluss des Internets entwickeln wird. Der Vorstand der Siemens AG hat mit der Neuausrichtung im Mai 2014 deutlich gemacht, dass Siemens die Realisierung des in der Digitalisierung der Industrie steckenden Geschäftspotentials als große Zukunftsaufgabe des Konzerns sieht. Wir haben diesen Weg vor circa 15 Jahren begonnen und werden weiter mit großem Nachdruck daran arbeiten, unseren Kunden die nötigen Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die sie für ihre eigene Neuausrichtung in Richtung Digitalisierung und Internetökonomie brauchen. Werkzeuge und Infrastruktur können wir liefern, nicht Industrie 4.0. Die dazu notwendige Transformationsaufgabe muss die Industrie beziehungsweise jedes einzelne Unternehmen schon selber leisten.

Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt und gehört zur Hightech-Strategie der Bundesregierung. In anderen Ländern spricht  man eher vom Internet oft Things (IoT). Was ist der Unterschied?

Anton S. Huber (Foto Huber)

Das eine ist Teil des anderen. Das Internet hat nach dem Menschen nun die Dinge und damit auch Geräte und Maschinen erfasst. Das verändert jetzt unsere Arbeitsprozesse, unser Leben, ja die ganze Gesellschaft. Das, was sich in der Industrie ändern muss, um in der Internetökonomie mithalten zu können, wird hierzulande mit dem Projekt Industrie 4.0 bezeichnet. Es meint die  nahtlose digitale Unterstützung und Anpassung der Wertschöpfungsprozesse auf eine Weise, dass in den produzierenden Unternehmen das Internet und seine Möglichkeiten möglichst optimal genutzt werden können. Insofern ist Industrie 4.0 der Teil des Internets der Dinge, der direkt die produzierende Industrie betrifft.

Was braucht die Industrie, um sich hierfür erfolgreich aufzustellen?

Ein Industriebetrieb braucht unter anderem mehr technische Sicherheit und Zuverlässigkeit, als sie das Internet heute etwa für die Email-Kommunikation oder auch für den Zugriff auf eine Suchmaschine oder eine beliebige App bereitstellen muss. Eine Maschine oder Anlage toleriert keinen Zufall und keine Millisekunden Verzögerung. Dafür haben sich Standards herausgebildet, für die wir in Zukunft Entsprechungen im Internet benötigen. Natürlich wird das alles nicht über Nacht zu haben sein. Das Internet muss mit diesen Ausprägungen dann mindestens genauso zuverlässig sein, wie die bisher eingesetzten Technologien.

Siemens  spricht vom Digital Enterprise, Ihre Division heißt Digital Factory. Wie weit ist Siemens selbst mit der Einführung schon gekommen?

Natürlich kann ich aus Wettbewerbsgründen nicht über alle Details sprechen, nur so viel: Wir haben die Integration der Produktentwicklung und Produktion auf dem Weg zum Digitalen Enterprise in wichtigen Bereichen in Angriff genommen und dabei schon erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Unsere Elektronikwerke in Amberg und Chengdu dienen uns dabei als Referenzinstallationen. Darüber hinaus bauen wir unser PLM- und MES-Angebot ständig in Richtung der Notwendigkeiten aus, die sich für Industrieunternehmen im Zeitalter des Internets der Dinge ergeben.  Wir haben eine klare Vorstellung, wohin wir uns bewegen müssen, und auch entsprechende Planungen. Deshalb können wir auch  Kunden entsprechend beraten und ihnen helfen, geeignete eigene Maßnahmen zu ergreifen.

Was glauben Sie, ist das Wichtigste, das Ihre Kunden tun können, um sich fit für das Internet der Dinge zu machen?

Wir sind davon überzeugt, dass unsere Kunden nicht darum herumkommen werden, ihre Wertschöpfungskette vollständig und durchgängig zu digitalisieren und alle dabei entstehenden Daten und Informationen entsprechend zu nutzen. Überall müssen die Barrieren zwischen den Ingenieurdisziplinen und den einzelnen Schritten der Wertschöpfungskette abgebaut werden. Sie verhindern die Flexibilität und die Geschwindigkeit, die vom Markt verlangt werden. Und wenn das nicht in Deutschland getan wird, wird es anderswo in der Welt in Angriff genommen. Aber die deutsche Industrie hat eine gute Ausgangsposition. Es wäre sehr zu wünschen, dass sie diese Position zu nutzen versteht.

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