Innovationsatlas 2017 – starkes Gefälle in Deutschland

31.07.2017

Der am 24. Juli vorgestellte Innovationsatlas 2017 kann als wichtige Ergänzung zum Innovationsindikator gelesen werden. Das IW Köln erklärt darin mit eigenen Indikatoren, wie sich Innovation innerhalb Deutschlands verteilt. Einschließlich einiger Ratschläge, wie die Politik positiv einwirken kann.

F&E Aufwendungen der Wirtschaft(Grafiken Innovationsatlas IW Köln)

Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind ein wichtiges Kriterium für die Innovationskraft des Landes. Aber nicht das einzige. Mindestens ebenso wichtig sind die Anzahl der Beschäftigten mit naturwissenschaftlicher Bildung, technologieorientierte Neugründungen oder Patentanmeldungen. In allen Feldern zeigt Deutschland ein starkes Gefälle von Süd nach Nord, von West nach Ost und von der Stadt aufs Land.

Im Jahr 2000 beschloss die EU im Rahmen der sogenannten Lissabon-Strategie das Ziel, dass der Anteil der F&E-Investitionen am Bruttoinlandsprodukt bis 2010 die Marke von 3% erreichen solle. 2% sollten dabei von den Unternehmen selbst getragen werden, 1% durch staatliche Förderung. Mit großen Anstrengungen hat Deutschland dieses Ziel 2015 zum ersten Mal erreicht und ist auch derzeit innerhalb Europas Spitzenreiter. Aber innerhalb Deutschlands beschreibt die Studie: "Auf der Ebene von Wirtschaftsräumen dominieren wenige hochinnovative Regionen wie jene rund um München, Stuttgart oder Wolfsburg." So betragen die Anteile der Wirtschaft für F&E in München 4,1, in Ingolstadt 4,4, in Stuttgart 6,6 und in Braunschweig 9,9 Prozent.

Die interaktiven Grafiken der Studie erlauben, die Ergebnisse bezogen auf 85 Wirtschaftsräume Deutschlands im Detail zu betrachten. Das genannte Gefälle ist so stark, dass es in der Studie heißt: "Süddeutsche Großstädte schneiden von der Forschungsintensität bis zur Patentleistung deutlich besser ab als Großstädte im Rest der Republik. Und selbst dünn besiedelte ländliche Regionen in Baden-Württemberg übertreffen die Großstädte vieler anderer Bundesländer."

BreitbandinternetEs ist fast ausschließlich die Wirtschaft, und hier insbesondere die derzeit mit Negativschlagzeilen beschäftigte Automobilindustrie, auf deren Investitionen die Gesamtentwicklung beruht. Denn der Finanzierungsanteil des Staates an den F&E Aufwendungen der Wirtschaft ist, wie die Studie festhält, "von 11 Prozent im Jahr 1992 auf nur noch 3 Prozent im Jahr 2015 gesunken".

Die Grafik über die Verteilung von Breitbandinternet zeigt, wie dramatisch die digitale Unterversorgung in großen Teilen Deutschlands ist. Wohl gemerkt, hier dreht es sich nicht um das Glasfasernetz, es geht nur um Anschlüsse mit wenigstens 50 Mb/s. In allen hellgrauen und dunkelgrauen Bereichen haben nicht einmal zwei Drittel aller Haushalte einen solchen Netzzugang. Und selbst in Bayern gilt dies für beachtliche Landesteile abseits der städtischen Zentren.

Eigentlich sind alle Informationen verfügbar, an denen sich die Politik orientieren kann. Wenn ihre Maßnahmen ausschließlich führenden Industrien und Regionen nützen – an Informationsmangel kann es nicht liegen.

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Kommentar von Tim Weilkiens |

Bemerkenswert fand ich auf den ersten Blick, dass die Verteilung des Breiband-Angebots umgekehrt zur Innovationskraft steht. Breitband ist im Norden gut vertreten, die Innovation findet im Süden statt.

Beim näheren Nachdenken wird es allerdings schwierig, aus diesen beiden Grafiken wirklich eine These abzuleiten, wie Breitband und Innovation in Beziehung zueinander stehen.

Kommentar von Ulrich Sendler |

Es hängt sehr viel von den Länder-Regierungen ab. Schleswig-Holstein hat beispielsweise beschlossen, Glasfasernetz in der Breite zur Verfügung zu stellen, wie aus dem Innovationsindikator hervorgeht. Bayern wird nicht genannt.
Die hohen Werte für die Innovation stützen sich fast ausschließlich auf die Entwicklungszentren der Automobilindustrie.

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