Munich PLM 2017 - ein Gespräch mit Prof. Dr. Vahid Salehi

15.07.2017


Die PLM-Gemeinde hat seit dem vergangenen Jahr eine neue Veranstaltung: das Munich PLM Symposium. Ausgerichtet wird es von Prof. Dr. Vahid Salehi, der an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München das Institut für Engineering Design Mechatronic Systems & PLM (EDMS) leitet. Zum zweiten Symposium im September 2017 nahm er in einem Interview Stellung:

PLMportal: Herr Prof. Salehi, das Munich PLM Symposium findet 2017 zum zweiten Mal statt. Wie viele Teilnehmer waren es 2016? Und mit wie vielen rechnen Sie in diesem Jahr?

Prof. Dr. Vahid SalehiProf. Salehi: Letztes Jahr waren es auf Anhieb mehr als 150 Teilnehmer. Das Munich PLM Symposium hat bei Industrie, Forschung und IT-Anbietern großen Anklang gefunden. Noch nicht mitgezählt sind dabei etwa 30 Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter, denen wir die kostenlose Teilnahme ermöglicht haben. Für das zweite Symposium streben wir keinen Rekord an, sondern konzentrieren uns darauf, wieder die aktuell wichtigen Themen zu adressieren.

Sie leiten seit Anfang 2014 das Institut für Engineering Design Mechatronic Systems & PLM an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München. Welchen Schwerpunkt setzen Sie für PLM?

Wir gehen davon aus, dass der Begriff PLM, also Produkt-Lebenszyklus-Management, eine neue Bedeutung bekommt. Schon in der Mechatronik wurde die Interdisziplinarität immer wichtiger. Jetzt, mit vernetzten, intelligenten Systemen, spielt die Durchgängigkeit der Daten eine sehr große Rolle. Es geht auch nicht mehr nur um Produktdaten, sondern um die Daten von Systemen und ihrer Umgebung. Beispielsweise für autonomes Fahren müssen für PLM Daten aus dem Verkehr, von Straßen und Streckenlogik, Parkhäusern und Wetter berücksichtigt werden. Dabei sehen wir einen wichtigen Ansatz in Modellbasiertem Systems Engineering (MBSE).

Wie sehen Sie die Rolle von PLM in Zusammenhang mit Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge?

Munich PLM Symposium 2017Bei PLM gibt es die Ebenen der Daten, der unterstützen Prozesse und der genutzten Methoden und Tools. Vor allem hinsichtlich der Daten wird PLM auch in Zukunft eine ganz zentrale Rolle spielen. Nehmen wir ein inzwischen sehr bekanntes Beispiel aus der Elektromobilität. Da waren Ingenieure bei der Auslegung der Batterie von täglichem Aufladen ausgegangen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Fahrzeuge nur einmal pro Woche aufgeladen werden. Mit dem Rückspielen solcher Daten aus der Produktnutzung können die Anforderungen in der Produktentwicklung korrigiert und ein "Over-Engineering" vermieden werden. Aber dazu muss eben das Rückfließen von Daten aus dem Fahrzeugbetrieb Bestandteil von PLM werden.

Was ändert sich aus Ihrer Sicht für den Einsatz von Standardsoftware für CAx und PLM?

In der Vergangenheit standen beim Einsatz der Systeme das virtuelle Modell des Produktes, also seine CAD-Daten und die daraus abgeleiteten Stücklisten sehr stark im Vordergrund. Für die Zukunft brauchen wir alle Daten aus allen Disziplinen einschließlich Echtzeitdaten aus dem Betrieb. Das verlangt eine enorme Flexibilisierung von PLM, so dass seine Module in der Lage sind, mit diesen vielfältigen Anforderungen umzugehen. Den größten Handlungsbedarf sehe ich beim Zusammenwachsen von Mechanikdaten mit solchen aus dem E/E/SW-Bereich.

Herr Prof. Salehi, was ist das Besondere am Munich PLM Symposium? Gibt es nicht schon genügend derartige Veranstaltungen?

München ist für dieses Thema so etwas wie ein Epizentrum. Hier sind führende Industrieunternehmen, Beratungshäuser und IT-Anbieter ebenso zu Hause wie eine sehr lebendige Startup Szene. Und ausgerechnet in München gab es bisher keinen regelmäßigen Gedankenaustausch zu diesem Thema. Das ändern wir jetzt. Und unser zweites Motiv ist mindestens genauso wichtig: Die Studenten und Mitarbeiter an der Hochschule sind diejenigen, die in der nahen Zukunft in der Industrie PLM betreiben werden. Sie in das Thema einzuführen und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich schon während des Studiums und an der Hochschule mit den Problemen zu befassen, die sich in der Praxis zeigen, halten wir für notwendig. Und mit den Vorträgen wichtiger Anwender aus unterschiedlichen Branchen bekommen sie genau das hier geboten.

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