Siemens vernetzt auf der EMO 200 Maschinen mit Mindsphere

01.08.2017

Auf einer EMO-Vorpressekonferenz am 25. und 26. Juli zeigte Siemens in seinem Elektromotorenwerk in Bad Neustadt an der Saale nicht nur, was im Zentrum des Messeauftritts stehen soll, sondern demonstrierte auch, wie weit der eigene Maschinenbau in der Umsetzung der digitalen Transformation derzeit tatsächlich schon ist.

Mit einem Portfolio, das durchaus für eine durchgängig digitale Fabrik reicht, will Siemens auf der EMO 2017 in Hannover aber auch zeigen, was für die Werkzeugmaschinenhersteller sofort möglich ist. 200 Maschinen, teils von Kunden, teils eigene, sollen vernetzt werden und demonstrieren, wie Cloud und Big Data Analytics unmittelbar die Produktivität steigern können.

Dr. Wolfgang HeuringWeil, wie Dr. Wolfgang Heuring (Foto Siemens), CEO der Siemens Business Unit Motion Control, erklärte, Digitalisierung auch in der Werkzeugmaschinenbranche als wichtigster Wachstumstreiber gesehen wird, steht auf der EMO die Digital Enterprise Suite von Siemens PLM im Zentrum. Deren Kern, dass PLM System Teamcenter, wird nun auch als Digital Lifecycle Management Lösung bezeichnet.

Neben den Softwaresystemen und Automatisierungskomponenten rückt die cloudbasierte Plattformökonomie in den Vordergrund. Mit MindSphere will der Hersteller auch in diesem zukunftsträchtigen Markt Leitanbieter sein. Inzwischen nennt Siemens diese Plattform offenes IoT-Betriebssystem. Mit MindSphere soll Künstliche Intelligenz und Maschinenlernen auch für die Industrie nutzbar gemacht werden. Eine erste App namens Manage MyMachines wird in Hannover vorgestellt. Sie erlaubt die Optimierung des Maschinenbetriebs.

Mit Sinumerik Edge präsentiert Siemens gleichzeitig eine neue Plattform zur maschinennahen Datenanalyse. Denn für viele Zwecke der Prozessüberwachung und -optimierung ist es sinnvoller, die Daten unmittelbar an der Maschine und nicht in der Cloud auszuwerten. Beide Plattformen sind so offen konzipiert, dass Kunden sie mit eigenen Apps unternehmensspezifisch nutzen können.

Maschinenzustände im digitalen Management(Erkannte Maschinenzustände in einer Präsentation in der Arena der Digitalisierung, Foto Sendler)

Die Übernahme der Kontrolle heutiger Fabriken durch Roboter und autonome Maschinen steht allerdings noch nicht unmittelbar bevor. Siemens lud die Medienvertreter in die kürzlich eingeweihte Arena der Digitalisierung im Elektromotorenwerk ein und gestattete neben den Bildschirmpräsentationen auch einen Blick in die Werkshalle. Im ersten Schritt – das wurde bei diesem Besuch deutlich – bedeutet die Vernetzung lediglich, dass viele Daten aus dem Betrieb aller vernetzten Maschinen nun an zentraler Stelle zur besseren Steuerung und Ausnutzung des Maschinenparks dienen können.

Weniger und möglichst gar keine ungeplanten Stillstandszeiten, besser planbare Wartung, sinnvollere Auslastung der Kapazitäten und bessere Ausnutzung der verfügbaren Maschinenleistung – das alles dient der Steigerung der Produktivität, ist aber von einer digitalen oder gar autonomen Fabrik noch ein gutes Stück entfernt. Aber schon mit den ersten Schritten in Richtung Plattform und Cloud lässt sich die Effizienz in kurzer Zeit messbar steigern. Mit 2000 Elektromotoren pro Tag, 600.000 pro Jahr bei 30.000 Varianten, ist das Werk in Bad Neustadt mit seinen 1.600 Mitarbeitern ein typisches Beispiel für den Maschinenbau. Gestützt auf die ersten Schritte der Digitalisierung geht Siemens schon für 2017 von einer zehnprozentigen Steigerung der Produktion aus, ohne neue Maschinen und Mitarbeiter. Selbst im laufenden Betrieb kann die Industrie mit digitaler Vernetzung eine Menge verbessern.

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