SAP

Erste Lösungen im November 2014

SAP zum Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0

31.10.2014

Thomas Ohnemus, bei SAP verantwortlich für das globale Marketing im Extended Supply Chain, hat sich für diesen Beitrag zu einem Gespräch mit Ulrich Sendler in der SAP-Zentrale in Walldorf getroffen. SAP ist weltweit führender Anbieter von Software für Enterprise Ressource Planning (ERP), darüber hinaus gibt es aber eine Vielzahl von Softwaresystemen, die Unternehmen im Management nahezu aller Prozesse der Wertschöpfung unterstützen, von der Produktstrategie und dem Innovationsmanagement bis zum Service.

Thomas Ohnemus war zunächst verantwortlich für das Solution Marketing SAP PLM (Produkt-Lebenszyklus-Management). Heute ist er Vice President Solution Marketing Extended Supply Chain, und diese Bezeichnung steht für die Zusammenfassung der Bereiche PLM, Manufacturing, Sustainability, Asset Management und Supply Chain. Schon aus dieser Bezeichnung und ihrem Inhalt ist ablesbar, welchen Anforderungen sich SAP bei seinen Kunden gegenübersieht: Überall wächst nämlich in den Unternehmen die Einsicht, dass alle Wertschöpfungsprozesse enger miteinander verkettet werden müssen; und damit wachsen auch die Erwartungen an Softwareanbieter wie SAP, sie bei diesem Integrationsprozess zu unterstützen.

Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 sind für SAP von so strategischer Bedeutung, dass das Unternehmen dafür einen eigenen Bereich eingerichtet hat. SAP muss nicht nach möglichen Anwendungsfällen in der Industrie suchen, die Kunden kommen damit zu SAP und wollen eine Lösung. Erste Applikationen kommen bereits im November 2014 auf den Markt, und 2015 wird eine SAP-eigene Plattform für das Internet der Dinge verfügbar sein.

Industrie 4.0 und Internet of Things – Große Nachfrage der Kunden

Thomas Ohnemus (Foto SAP)

Industrie 4.0 hat als Zukunftsprojekt der Bundesregierung und Bestandteil ihrer Hightech-Strategie beachtliche Wirkung entfaltet. Auf diese Weise ist die Vernetzung der Dinge über das Internet und ihre Bedeutung für den Industriestandort Deutschland sehr schnell einem großen Teil der Öffentlichkeit klar geworden. Thomas Ohnemus: „In den Vorstandsetagen der Industrie wird darüber in einer Weise geredet, wie dies ohne das Projekt Industrie 4.0, ohne die Einbindung der wichtigsten Industrieverbände in die Plattform I 4.0, nicht möglich gewesen wäre.“

SAP muss in dieser Frage nicht die Kunden von einer neuen Technologie überzeugen, die Kunden kommen mit ihren Problemen und wollen Lösungen. SAP hat darauf in den vergangenen zwei Jahren bereits mit Pilotprojekten geantwortet, die gemeinsam mit Kunden aufgesetzt und realisiert wurden und noch werden. Teilweise machen sie als Vorzeigebeispiele schon die Runde, teilweise sind sie noch Firmengeheimnis. Zwei dieser Beispiele sollen hier etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Beide sind die Grundlage für neue Lösungen, die demnächst von SAP als Standardlösungen auf den Markt kommen.

Das eine ist die Veränderung des Geschäftsmodells bei Kaeser Kompressoren, der andere ein Logistikprogramm im Hamburger Hafen. Beide Beispiele zeigen sehr gut, wie die Vernetzung von Systemen über das Internet neue Möglichkeiten schafft: neue Möglichkeiten als Ergänzung des Bestehenden; neue Ansätze für völlig neue Geschäftsmodelle; neue Möglichkeiten für disruptive Innovation in Produktentwicklung und Produktion und im Service.

SAP sieht sich dabei mit Herausforderungen konfrontiert, die eine Erweiterung bestehender Lösungen, aber auch die Entwicklung völlig neuer Systeme umfassen. Kunden kommen und stellen ihre Ideen vor, die sie mit den verfügbaren Softwarelösungen nicht realisieren können. SAP erarbeitet dann mit ihnen das, was sie brauchen. Thomas Ohnemus: „Es gibt viele Themen, die wir bisher nicht im Hauptfokus hatten, weil es keine Nachfrage gab, etwa die Internet-Anbindung von Maschinen und ihrer Sensoren. Jetzt sind die technologischen Voraussetzungen vorhanden, und die Nachfrage ist auch da. Auf der anderen Seite gibt es Themen, die wir bisher getrennt voneinander behandelt haben, wie Customer Relationship Management (CRM) und PLM, die aber jetzt miteinander gekoppelt werden müssen, um Industrie 4.0 zu ermöglichen.“

Vom Kompressor zu komprimierter Luft als Dienstleistung

Werbefoto Kaeser Kompressoren

Kaeser Kompressoren bietet Produkte, Dienstleistungen und komplette Systeme zur Versorgung von Industrieunternehmen mit Druckluft. Die Systemlösungen umfassen die Erzeugung, Aufbereitung und  Verteilung der Druckluft. Neben der Entwicklung und Herstellung der Kompressoren spielt in diesem Umfeld der Service eine wichtige Rolle. Der Ausfall eines Kompressors kann unter ungünstigen Umständen zu teuren Stillstandszeiten führen. Nie konnte Kaeser deshalb genug wissen über den Zustand der verkauften und im Einsatz befindlichen Geräte.

Neben dem Motiv, möglichst vor dem Ausfall eines Kompressors mit dem Service vor Ort zu sein, gab es natürlich weitere gute Gründe, mehr über die Geräte während ihres betrieblichen Einsatzes zu erfahren: Je besser die Informationen über Einsatz, Umgebungsbedingungen und Risiken, desto zielsicherer können die Produkte auf einen möglichst sicheren und ausfallsicheren Einsatz bei gleichzeitig geringstmöglichen Lifecycle-Kosten ausgelegt und produziert werden.

Kaeser begann 2012 mit SAP ein Projekt, das diese Informationen sicherstellen sollte. Es kommt im November als Custom Predictive Maintenance Solution (Lösung für vorausschauende Wartung) auf den Markt, die auf SAP HANA basiert. Auf der Seite des Kompressorenherstellers wurde dafür gesorgt, dass die Produkte mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet sind, die während der Laufzeit eine Unmenge von Daten über Luftströme, Temperaturflüsse, Energieverbrauch und Gerätezustände liefern. SAP wiederum sorgt mit den Möglichkeiten der In-Memory-Technologie von HANA für eine sehr schnelle Analyse der gesammelten Daten. HANA kann Daten in großem Umfang im Arbeitsspeicher zwischenlagern und zur Auswertung bereitstellen, ohne sie auf die Festplatte auslagern zu müssen.

Mit herausragenden Kundenbeispielen konnte Kaeser in relativ kurzer Zeit nachweisen, dass diese Vorgehensweise auch für den Kunden erhebliche Vorteile bietet. Etwa die Abwasserreinigung von Moundsville in Virginia: Hier ergaben Langzeit-Messungen, dass bei gleichmäßiger Sauerstoffzufuhr in einen Abwassertank zeitweilig deutlich zu viel, zeitweilig eher zu wenig Sauerstoff zugeführt wurde. Die Anschaffung eines zweiten, mit dem ersten verbundenen Tanks und eines neuen Gebläses sowie fest installierter Mess-Sensoren ermöglichte dem kleinen Städtchen die Einsparung von 50.000 bis 60.000 US$ Energiekosten pro Jahr. Jetzt wird genau die Menge Sauerstoff genau dort zugeführt, wo sie gebraucht wird.

Moundsville Wastewater Treatment Plant (Quelle Kaeser)

Das Ergebnis des Pilotprojekts mit SAP bestand für Kaeser allerdings nicht nur in zufriedener Kundschaft und verbesserten Servicebedingungen. Der Kompressorenhersteller dachte sofort weiter und begann mit der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells. Wenn Kaeser am besten weiß, wie seine Geräte eingesetzt werden können, dann lässt sich daraus sehr einfach ein Dienstleistungsangebot ableiten: Der Kunde kauft nicht den Kompressor, sondern die Verfügbarkeit von Druckluft, und zwar mit der Garantie, dass Kaeser für die Kosten aufkommt, wenn die zugesagte, fast hundertprozentige Verfügbarkeit nicht eingehalten wird. Dafür sind Kunden gerne bereit, einen Aufpreis zu zahlen. Der neue Dienst enthebt sie nicht nur der Überwachung der Geräte, sondern verhindert Ausfallzeiten und senkt die Energiekosten.

Bei Kaeser geschah intern noch etwas Interessantes, das nach außen hin nicht sichtbar wird. Produktentwickler sitzen neuerdings etwa zu einem Viertel ihrer Zeit mit den Servicespezialisten zusammen. Denn aus dem Service kommen die Daten, die Rückschlüsse zulassen auf Verbesserungspotenzial, das für künftige Entwicklungen oder auch für Änderungen bestehender Produktserien unmittelbar genutzt werden kann. Wenn die Dienstleistung zum Hauptgeschäft wird, muss sich die Entwicklung direkt für das optimale Funktionieren der Geräte während der Laufzeit interessieren. Früher galt das Interesse dem Verkauf des Produktes, danach hatte die Entwicklung mit den Produkten fast nichts mehr zu tun. Diese Zeiten sind vorbei.

„Das am weitesten fortgeschrittene Beispiel für das Internet of Everything“

Gemeinsam mit T-Systems und der Hafengesellschaft Hamburg Port Authority hat SAP ebenfalls in den letzten Jahren ein System entwickelt, das den Verkehrsfluss der Lastwagen, die die Container vom und zum Hafen bringen, optimieren soll. Es basiert auf der Vernetzung nahezu aller wichtigen Beteiligten. Die Disponenten in den Speditionszentralen erhalten über Tabletcomputer und Smartphones im Cockpit der Lastwagenfahrer jederzeit Auskunft über die aktuelle Position von Fahrzeug und Ladung. Die Fahrer werden bei der Anfahrt über Verkehrsblockaden und freien Parkraum informiert.

Das System dient der Entzerrung des Hafenverkehrs und der Reduzierung der Lieferzeit. Es gibt den Beteiligten ausschließlich die Informationen, die für sie im jeweiligen Moment wichtig sind. Derzeit sind 200 Lastwagen verschiedener Speditionen eingebunden, einen weiteren Schub für das Projekt gibt es nach einem Blog von Carsten Knop in FAZ.NET vom 25. Mai im Herbst 2014.

Am 1. Oktober veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung unter der Überschirft „Deutschland kann weltweit führend werden“ ein Interview mit Cisco-Chef John Chambers, in dem er sagt: „Nach unseren Berechnungen kann Deutschland in den nächsten zehn Jahren von der konsequenten Wende hin zu Industrie 4.0 mit etwa 700 Milliarden Euro Wertschöpfung profitieren. Das wäre ein zusätzliches Wachstum der Volkswirtschaft von zwei Prozent pro Jahr, und zwar zehn Jahre lang.“ Als Beispiel nennt er das Logistik-Projekt Hamburger Hafen.

Luftbild Hamburger Hafen (Quelle Hamburger Hafen)

John Chambers: „Das ist das am weitesten fortgeschrittene Beispiel für das Internet of Everything in der Welt. Hier gehen 10.000 Schiffe pro Jahr rein und raus, alle Abläufe müssen miteinander über das Internet vernetzt werden. Die Hafenverwaltung und die Politik haben verstanden, wie groß die Veränderungen sein können.“

SAP bringt als Ergebnis dieses Projektes eine Software mit Namen Connected Logistics auf den Markt. Denn was im Hafen von Hamburg funktioniert, ist übertragbar auf andere Logistikbereiche wie Flughäfen oder Güterbahnhöfe. Thomas Ohnemus: „Aus einer Software, die aufgrund von Kundenanforderungen entwickelt und in der Praxis in einem Pilotprojekt erprobt wurde, entsteht eine Standardsoftware, an die wir vor fünf Jahren noch nicht gedacht haben.“

Big Data und Cloud werden wichtiger

Für SAP sind Industrie 4.0 und das Internet der Dinge auch spürbare Treiber der großen Themen Big Data und Cloud, die beide eine enge Beziehung zueinander haben. Je mehr Daten über Produkte, über vernetzte Dinge und Menschen zur Verfügung stehen, desto größer wird der Bedarf an Lösungen, die – wie in den Beispielen Kaeser und Hamburger Hafen – eine zeitnahe, wirtschaftlich sinnvolle Analyse und Auswertung verlangen. Solche Big Data Lösungen sind sehr gut auf der Basis von SAP HANA zu betreiben, und die beiden für November angekündigten Anwendungen sind auch dafür ein gutes Beispiel.

Wo aber Daten zu Big Data werden, also in sehr großer Menge und hoher Vielfalt auftreten, gleichzeitig aber sehr schnell, wenn nicht in Echtzeit, auszuwerten sind, da stellt sich schnell auch die Frage, ob es sinnvoll ist, für diese Datenmengen selbst den Speicherplatz vorzuhalten, oder aber auf eine Lösung in der Cloud zu setzen.

Thomas Ohnemus berichtet aus den USA, dass dort – sehr viel schneller  als in Europa – ein regelrechter Run auf den Umstieg von herkömmlichen Lizenzen auf Cloud-Betrieb zu beobachten ist: „Solche Technologien greifen erfahrungsgemäß in den USA schneller, aber wir sind darauf vorbereitet, dass der Trend in Europa und Deutschland mit einer kleinen Verzögerung ebenso durchschlägt.“

Innovation, die aus dem Service kommt

Industrie 4.0 und das Internet der Dinge verändern offenbar auch die Art und Weise, wie die Industrie Innovation betreibt. Das zeigen die genannten Beispiele sehr gut. Es muss nicht die sprühende Idee eines neuen Produktes am Anfang stehen. Disruptive Innovation kann gewissermaßen vom Ende der traditionellen Wertschöpfungskette kommen, aus dem Service. Die Vernetzung von Produkten, aber auch vom Hersteller mit seinen Kunden, führt zu einer Veränderung in den Rollen der Marktbeteiligten.

Thomas Ohnemus: „Der Einfluss des Kunden wird größer. Alle Hersteller und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen schauen immer genauer darauf, was der Kunde mit den Produkten macht, wie er sie nutzt, wie sie sich dabei verhalten, welche Schwächen sie zeigen. Und daraus werden Schlüsse für Änderungen an den Produkten oder für künftige Produkte und Angebote abgeleitet.“

SAP sieht den wachsenden Bedarf der Industrie an Methoden des Systems Engineering und der modellbasierten Systementwicklung, denn je größer die Rolle der Vernetzung, desto wichtiger das Zusammenspiel der Fachdisziplinen innerhalb der Produktentwicklung. Aber dieser Bedarf hat noch nicht höchste Priorität. Die liegt vielmehr auf der Verbesserung des Service, der Logistik, der Kundenbeziehungen und der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Insgesamt spielt die gesamte Entwicklung, so sieht es Thomas Ohnemus, SAP in die Hände: „Wir haben eine holistische Herangehensweise an die IT-Unterstützung der Industrie. Und je weiter das Internet der Dinge Realität wird, desto klarer wird für unsere Kunden, dass sie selbst einen holistischen Ansatz brauchen, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.“

Darauf antwortet SAP mit der Einrichtung eines eigenen Geschäftsbereiches für Industrie 4.0 und IoT. Und mit einer neuen Plattform, die es den Kunden ermöglicht, eigene produkt- und betriebsspezifischen Anwendungen für das Internet der Dinge zu entwickeln. Diese IoT-Plattform ist für 2015 angekündigt. Sie basiert wie die oben genannten Anwendungen auf  SAP HANA.

SAP zum Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0

Thomas Ohnemus, bei SAP verantwortlich für das globale Marketing im Extended Supply Chain, hat sich für diesen Beitrag zu einem Gespräch mit Ulrich Sendler in der SAP-Zentrale in Walldorf getroffen. SAP ist weltweit führender Anbieter von Software für Enterprise Ressource Planning (ERP), darüber hinaus gibt es aber eine Vielzahl von Softwaresystemen, die Unternehmen im Management nahezu aller Prozesse der Wertschöpfung unterstützen, von der Produktstrategie und dem Innovationsmanagement bis zum Service.

Thomas Ohnemus war zunächst verantwortlich für das Solution Marketing SAP PLM (Produkt-Lebenszyklus-Management). Heute ist er Vice President Solution Marketing Extended Supply Chain, und diese Bezeichnung steht für die Zusammenfassung der Bereiche PLM, Manufacturing, Sustainability, Asset Management und Supply Chain. Schon aus dieser Bezeichnung und ihrem Inhalt ist ablesbar, welchen Anforderungen sich SAP bei seinen Kunden gegenübersieht: Überall wächst nämlich in den Unternehmen die Einsicht, dass alle Wertschöpfungsprozesse enger miteinander verkettet werden müssen; und damit wachsen auch die Erwartungen an Softwareanbieter wie SAP, sie bei diesem Integrationsprozess zu unterstützen.

Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 sind für SAP von so strategischer Bedeutung, dass das Unternehmen dafür einen eigenen Bereich eingerichtet hat. SAP muss nicht nach möglichen Anwendungsfällen in der Industrie suchen, die Kunden kommen damit zu SAP und wollen eine Lösung. Erste Applikationen kommen bereits im November 2014 auf den Markt, und 2015 wird eine SAP-eigene Plattform für das Internet der Dinge verfügbar sein.

Industrie 4.0 und Internet of Things – Große Nachfrage der Kunden

Industrie 4.0 hat als Zukunftsprojekt der Bundesregierung und Bestandteil ihrer Hightech-Strategie beachtliche Wirkung entfaltet. Auf diese Weise ist die Vernetzung der Dinge über das Internet und ihre Bedeutung für den Industriestandort Deutschland sehr schnell einem großen Teil der Öffentlichkeit klar geworden. Thomas Ohnemus: „In den Vorstandsetagen der Industrie wird darüber in einer Weise geredet, wie dies ohne das Projekt Industrie 4.0, ohne die Einbindung der wichtigsten Industrieverbände in die Plattform I 4.0, nicht möglich gewesen wäre.“

SAP muss in dieser Frage nicht die Kunden von einer neuen Technologie überzeugen, die Kunden kommen mit ihren Problemen und wollen Lösungen. SAP hat darauf in den vergangenen zwei Jahren bereits mit Pilotprojekten geantwortet, die gemeinsam mit Kunden aufgesetzt und realisiert wurden und noch werden. Teilweise machen sie als Vorzeigebeispiele schon die Runde, teilweise sind sie noch Firmengeheimnis. Zwei dieser Beispiele sollen hier etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Beide sind die Grundlage für neue Lösungen, die demnächst von SAP als Standardlösungen auf den Markt kommen.

Das eine ist die Veränderung des Geschäftsmodells bei Kaeser Kompressoren, der andere ein Logistikprogramm im Hamburger Hafen. Beide Beispiele zeigen sehr gut, wie die Vernetzung von Systemen über das Internet neue Möglichkeiten schafft: neue Möglichkeiten als Ergänzung des Bestehenden; neue Ansätze für völlig neue Geschäftsmodelle; neue Möglichkeiten für disruptive Innovation in Produktentwicklung und Produktion und im Service.

SAP sieht sich dabei mit Herausforderungen konfrontiert, die eine Erweiterung bestehender Lösungen, aber auch die Entwicklung völlig neuer Systeme umfassen. Kunden kommen und stellen ihre Ideen vor, die sie mit den verfügbaren Softwarelösungen nicht realisieren können. SAP erarbeitet dann mit ihnen das, was sie brauchen. Thomas Ohnemus: „Es gibt viele Themen, die wir bisher nicht im Hauptfokus hatten, weil es keine Nachfrage gab, etwa die Internet-Anbindung von Maschinen und ihrer Sensoren. Jetzt sind die technologischen Voraussetzungen vorhanden, und die Nachfrage ist auch da. Auf der anderen Seite gibt es Themen, die wir bisher getrennt voneinander behandelt haben, wie Customer Relationship Management (CRM) und PLM, die aber jetzt miteinander gekoppelt werden müssen, um Industrie 4.0 zu ermöglichen.“

Vom Kompressor zu komprimierter Luft als Dienstleistung

Kaeser Kompressoren bietet Produkte, Dienstleistungen und komplette Systeme zur Versorgung von Industrieunternehmen mit Druckluft. Die Systemlösungen umfassen die Erzeugung, Aufbereitung und Verteilung der Druckluft. Neben der Entwicklung und Herstellung der Kompressoren spielt in diesem Umfeld der Service eine wichtige Rolle. Der Ausfall eines Kompressors kann unter ungünstigen Umständen zu teuren Stillstandszeiten führen. Nie konnte Kaeser deshalb genug wissen über den Zustand der verkauften und im Einsatz befindlichen Geräte.

Neben dem Motiv, möglichst vor dem Ausfall eines Kompressors mit dem Service vor Ort zu sein, gab es natürlich weitere gute Gründe, mehr über die Geräte während ihres betrieblichen Einsatzes zu erfahren: Je besser die Informationen über Einsatz, Umgebungsbedingungen und Risiken, desto zielsicherer können die Produkte auf einen möglichst sicheren und ausfallsicheren Einsatz bei gleichzeitig geringstmöglichen Lifecycle-Kosten ausgelegt und produziert werden.

Kaeser begann 2012 mit SAP ein Projekt, das diese Informationen sicherstellen sollte. Es kommt im November als Custom Predictive Maintenance Solution (Lösung für vorausschauende Wartung) auf den Markt, die auf SAP HANA basiert. Auf der Seite des Kompressorenherstellers wurde dafür gesorgt, dass die Produkte mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet sind, die während der Laufzeit eine Unmenge von Daten über Luftströme, Temperaturflüsse, Energieverbrauch und Gerätezustände liefern. SAP wiederum sorgt mit den Möglichkeiten der In-Memory-Technologie von HANA für eine sehr schnelle Analyse der gesammelten Daten. HANA kann Daten in großem Umfang im Arbeitsspeicher zwischenlagern und zur Auswertung bereitstellen, ohne sie auf die Festplatte auslagern zu müssen.

Mit herausragenden Kundenbeispielen konnte Kaeser in relativ kurzer Zeit nachweisen, dass diese Vorgehensweise auch für den Kunden erhebliche Vorteile bietet. Etwa die Abwasserreinigung von Moundsville in Virginia: Hier ergaben Langzeit-Messungen, dass bei gleichmäßiger Sauerstoffzufuhr in einen Abwassertank zeitweilig deutlich zu viel, zeitweilig eher zu wenig Sauerstoff zugeführt wurde. Die Anschaffung eines zweiten, mit dem ersten verbundenen Tanks und eines neuen Gebläses sowie fest installierter Mess-Sensoren ermöglichte dem kleinen Städtchen die Einsparung von 50.000 bis 60.000 US$ Energiekosten pro Jahr. Jetzt wird genau die Menge Sauerstoff genau dort zugeführt, wo sie gebraucht wird.

Das Ergebnis des Pilotprojekts mit SAP bestand für Kaeser allerdings nicht nur in zufriedener Kundschaft und verbesserten Servicebedingungen. Der Kompressorenhersteller dachte sofort weiter und begann mit der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells. Wenn Kaeser am besten weiß, wie seine Geräte eingesetzt werden können, dann lässt sich daraus sehr einfach ein Dienstleistungsangebot ableiten: Der Kunde kauft nicht den Kompressor, sondern die Verfügbarkeit von Druckluft, und zwar mit der Garantie, dass Kaeser für die Kosten aufkommt, wenn die zugesagte, fast hundertprozentige Verfügbarkeit nicht eingehalten wird. Dafür sind Kunden gerne bereit, einen Aufpreis zu zahlen. Der neue Dienst enthebt sie nicht nur der Überwachung der Geräte, sondern verhindert Ausfallzeiten und senkt die Energiekosten.

Bei Kaeser geschah intern noch etwas Interessantes, das nach außen hin nicht sichtbar wird. Produktentwickler sitzen neuerdings etwa zu einem Viertel ihrer Zeit mit den Servicespezialisten zusammen. Denn aus dem Service kommen die Daten, die Rückschlüsse zulassen auf Verbesserungspotenzial, das für künftige Entwicklungen oder auch für Änderungen bestehender Produktserien unmittelbar genutzt werden kann. Wenn die Dienstleistung zum Hauptgeschäft wird, muss sich die Entwicklung direkt für das optimale Funktionieren der Geräte während der Laufzeit interessieren. Früher galt das Interesse dem Verkauf des Produktes, danach hatte die Entwicklung mit den Produkten fast nichts mehr zu tun. Diese Zeiten sind vorbei.

„Das am weitesten fortgeschrittene Beispiel für das Internet of Everything“

Gemeinsam mit T-Systems und der Hafengesellschaft Hamburg Port Authority hat SAP ebenfalls in den letzten Jahren ein System entwickelt, das den Verkehrsfluss der Lastwagen, die die Container vom und zum Hafen bringen, optimieren soll. Es basiert auf der Vernetzung nahezu aller wichtigen Beteiligten. Die Disponenten in den Speditionszentralen erhalten über Tabletcomputer und Smartphones im Cockpit der Lastwagenfahrer jederzeit Auskunft über die aktuelle Position von Fahrzeug und Ladung. Die Fahrer werden bei der Anfahrt über Verkehrsblockaden und freien Parkraum informiert.

Das System dient der Entzerrung des Hafenverkehrs und der Reduzierung der Lieferzeit. Es gibt den Beteiligten ausschließlich die Informationen, die für sie im jeweiligen Moment wichtig sind. Derzeit sind 200 Lastwagen verschiedener Speditionen eingebunden, einen weiteren Schub für das Projekt gibt es nach einem Blog von Carsten Knop in FAZ.NET vom 25. Mai im Herbst 2014.

Am 1. Oktober veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung unter der Überschirft „Deutschland kann weltweit führend werden“ ein Interview mit Cisco-Chef John Chambers, in dem er sagt: „Nach unseren Berechnungen kann Deutschland in den nächsten zehn Jahren von der konsequenten Wende hin zu Industrie 4.0 mit etwa 700 Milliarden Euro Wertschöpfung profitieren. Das wäre ein zusätzliches Wachstum der Volkswirtschaft von zwei Prozent pro Jahr, und zwar zehn Jahre lang.“ Als Beispiel nennt er das Logistik-Projekt Hamburger Hafen. John Chambers:

„Das ist das am weitesten fortgeschrittene Beispiel für das Internet of Everything in der Welt. Hier gehen 10.000 Schiffe pro Jahr rein und raus, alle Abläufe müssen miteinander über das Internet vernetzt werden. Die Hafenverwaltung und die Politik haben verstanden, wie groß die Veränderungen sein können.“

SAP bringt als Ergebnis dieses Projektes eine Software mit Namen Connected Logistics auf den Markt. Denn was im Hafen von Hamburg funktioniert, ist übertragbar auf andere Logistikbereiche wie Flughäfen oder Güterbahnhöfe. Thomas Ohnemus: „Aus einer Software, die aufgrund von Kundenanforderungen entwickelt und in der Praxis in einem Pilotprojekt erprobt wurde, entsteht eine Standardsoftware, an die wir vor fünf Jahren noch nicht gedacht haben.“

Big Data und Cloud werden wichtiger

Für SAP sind Industrie 4.0 und das Internet der Dinge auch spürbare Treiber der großen Themen Big Data und Cloud, die beide eine enge Beziehung zueinander haben. Je mehr Daten über Produkte, über vernetzte Dinge und Menschen zur Verfügung stehen, desto größer wird der Bedarf an Lösungen, die – wie in den Beispielen Kaeser und Hamburger Hafen – eine zeitnahe, wirtschaftlich sinnvolle Analyse und Auswertung verlangen. Solche Big Data Lösungen sind sehr gut auf der Basis von SAP HANA zu betreiben, und die beiden für November angekündigten Anwendungen sind auch dafür ein gutes Beispiel.

Wo aber Daten zu Big Data werden, also in sehr großer Menge und hoher Vielfalt auftreten, gleichzeitig aber sehr schnell, wenn nicht in Echtzeit, auszuwerten sind, da stellt sich schnell auch die Frage, ob es sinnvoll ist, für diese Datenmengen selbst den Speicherplatz vorzuhalten, oder aber auf eine Lösung in der Cloud zu setzen.

Thomas Ohnemus berichtet aus den USA, dass dort – sehr viel schneller als in Europa – ein regelrechter Run auf den Umstieg von herkömmlichen Lizenzen auf Cloud-Betrieb zu beobachten ist: „Solche Technologien greifen erfahrungsgemäß in den USA schneller, aber wir sind darauf vorbereitet, dass der Trend in Europa und Deutschland mit einer kleinen Verzögerung ebenso durchschlägt.“

Innovation, die aus dem Service kommt

Industrie 4.0 und das Internet der Dinge verändern offenbar auch die Art und Weise, wie die Industrie Innovation betreibt. Das zeigen die genannten Beispiele sehr gut. Es muss nicht die sprühende Idee eines neuen Produktes am Anfang stehen. Disruptive Innovation kann gewissermaßen vom Ende der traditionellen Wertschöpfungskette kommen, aus dem Service. Die Vernetzung von Produkten, aber auch vom Hersteller mit seinen Kunden, führt zu einer Veränderung in den Rollen der Marktbeteiligten.

Thomas Ohnemus: „Der Einfluss des Kunden wird größer. Alle Hersteller und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen schauen immer genauer darauf, was der Kunde mit den Produkten macht, wie er sie nutzt, wie sie sich dabei verhalten, welche Schwächen sie zeigen. Und daraus werden Schlüsse für Änderungen an den Produkten oder für künftige Produkte und Angebote abgeleitet.“

SAP sieht den wachsenden Bedarf der Industrie an Methoden des Systems Engineering und der modellbasierten Systementwicklung, denn je größer die Rolle der Vernetzung, desto wichtiger das Zusammenspiel der Fachdisziplinen innerhalb der Produktentwicklung. Aber dieser Bedarf hat noch nicht höchste Priorität. Die liegt vielmehr auf der Verbesserung des Service, der Logistik, der Kundenbeziehungen und der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Insgesamt spielt die gesamte Entwicklung, so sieht es Thomas Ohnemus, SAP in die Hände: „Wir haben eine holistische Herangehensweise an die IT-Unterstützung der Industrie. Und je weiter das Internet der Dinge Realität wird, desto klarer wird für unsere Kunden, dass sie selbst einen holistischen Ansatz brauchen, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.“

Darauf antwortet SAP mit der Einrichtung eines eigenen Geschäftsbereiches für Industrie 4.0 und IoT. Und mit einer neuen Plattform, die es den Kunden ermöglicht, eigene produkt- und betriebsspezifischen Anwendungen für das Internet der Dinge zu entwickeln. Diese IoT-Plattform ist für 2015 angekündigt. Sie basiert wie die oben genannten Anwendungen auf SAP HANA.

© PLMportal

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