Auch Taiwans Industrie verändert sich rasant

23.05.2018

Taiwan war – wie China – über Jahrzehnte ein Land, in dem zu minimalen Kosten in großen Mengen produziert wurde. Insbesondere die Herstellung von Computern aller Art und mobiler Endgeräte wurde gerne dorthin ausgelagert. Bei einem Forum von SAP hatte ich jetzt Gelegenheit, rasante Veränderungen zu sehen, die sich abzeichnen. Von billiger Massenproduktion über smarte Fabriken zu Digital Factory as a Service.

Keynote SendlerZwischen 1.200 und 1.500 Menschen waren zum Forum SAP NOW Taiwan in Taipei gekommen, und damit einige Hundert mehr als erwartet. Das Motto des Forums, auf dem ich die Hauptrede halten durfte (Foto SAP), lautete "The Intelligent Enterprise". Schon am Vorabend hatte ich bei einem Abendessen im kleinen Kreis Gelegenheit zu einem Einblick, über welche Strategien Firmen in Taiwan nachdenken. In diesem Fall war es die Firmenleitung der Wistron Corporation, deren Präsident und CEO Robert Hwang mir erläuterte, wo Wistron steht und wohin es geht.

Wistron ist ein 2001 von Computerhersteller Acer aus dem Geschäftsbereich Design und Fertigung ausgegliedertes Unternehmen, das inzwischen zu einem der führenden Auftragsfertiger für Informations- und Kommunikationstechnik geworden ist. Industrie 4.0 aus Deutschland war für das Unternehmen schnell die Messlatte, an der es sich ausrichtete. Dazu gehörten Besuche bei Siemens in Amberg und bei anderen Herstellern in Deutschland. Was ich – diesmal auf dem Bildschirm – von Wistron sehen durfte, war für mich eine Smart Factory vom Feinsten, die es locker mit der Konkurrenz hierzulande aufnimmt. Und tatsächlich denkt Robert Hwang nicht darüber nach, wie er die Produktion noch effektiver machen  kann. Eher über den besten Weg, die smarte Fabrik und das entsprechende Know-how anderen Unternehmen als Dienstleistung anzubieten.

Podiumsdiskussion mit Dave Lin, AcerDie Gespräche auch mit anderen Teilnehmern vor, während und nach der Veranstaltung und auf dem Podium (hier Ulrich Sendler mit Dave Lin, Präsident Taiwan Operations bei Acer, Foto SAP) drehten sich vor allem darum, wie es schnellstmöglich gelingen kann, von der industriellen Fertigung zur digitalen Fabrik zu kommen. Wobei gleichzeitig der Schwerpunkt des Geschäftsmodells vom Produkt zu Dienstleistungen verschoben werden muss, die auf digital vernetzten Produkten basieren.

Mein Eindruck: Wie in der VR China geht der Wandel der Industrie auch in Taiwan schneller voran, als man noch vor ein oder zwei Jahren sehen konnte. Industrie 4.0 aus Deutschland hat dabei großen Einfluss, aber manche Unternehmen denken bereits darüber hinaus. Für die deutsche Industrie heißt das, sie muss noch schneller werden in der Digitalisierung. Auch der derzeit noch vorhandene Vorsprung in der Entwicklung und Herstellung komplexer Produkte wie High-Tech Maschinen, Medizingeräten oder Autos kann im Zuge der Digitalisierung und mit Hilfe der neuesten Technologien schnell aufgeholt werden.

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