Die Systemrelevanz der Industriesoftware

18.05.2020

Die Branche der Anbieter von Industriesoftware und Engineering Services ist durch die Covid-19-Pandemie nicht in ihrer Existenz bedroht. So wie die Welt gegen das Virus einen Impfstoff, Schutzkleidung und Beatmungsgeräte braucht, so braucht die Industrie mehr denn je die IT, um ihre gesamten Prozesse noch stärker zu digitalisieren. Am besten stehen derzeit die Firmen da, die in ihrer digitalen Transformation schon relativ weit sind. Das zeigen die Antworten auf eine Umfrage unter Anbietern Ende April, Anfang Mai 2020.

Welche Branchen, welche Tätigkeiten, welche Beschäftigten systemrelevant sind, war in den Monaten seit Ausbruch der Pandemie immer wieder Thema. Das nach wie vor unterbezahlte und mangelhaft geschützte Pflege- und Klinikpersonal gehört natürlich dazu, die Paketzusteller, Kassierer*innen und Polizeibeamt*innen ebenso. Aber was wäre bei dem teilweisen Shutdown der Wirtschaft passiert, wenn es keine digitale Vernetzung gäbe?

Homeoffice hat enormen Zuspruch gefunden. Selbst Unternehmen, die vor Corona jedes Ansinnen von Mitarbeitern auf teilweises Arbeiten von Zuhause rundweg abwiesen, konnten plötzlich umstellen und fanden kaum noch eine Tätigkeit, die nicht genauso gut ohne den Weg ins Büro erledigt werden konnte. Die Büros waren allenthalben leer. Ob und in welchem Umfang sie sich in Zukunft wieder füllen, ist so ungewiss wie fast alles in diesen Tagen.

Ein erstes Einbrechen der Netzinfrastruktur durch die enorme Zusatzbelastung konnte schnell behoben werden. Die Tools waren verfügbar und erprobt. Plötzlich konnten Verantwortliche aus Standorten weltweit virtuell an Konferenzen und Meetings teilnehmen. Für den Großteil der Büroarbeit war die Umstellung mehr oder weniger problemlos. Auch wenn zu Hause die passende Ausrüstung von Tisch und Stuhl bis zum videofähigen Notebook nicht in jedem Fall herzuzaubern war.

In der Industrie stehen die Beschäftigen dabei vor besonderen Herausforderungen, und das gilt insbesondere für die technischen Bereiche. Hier geht es nicht nur um den Zugang zum Firmenserver und den Austausch von Texten und Dateien. Hier muss die Arbeit beispielsweise mit einer Engineering-Software wie CAD oder einem System zur Auftragsabwicklung wie ERP sichergestellt werden. Und die Daten, die über die Leitungen gehen, sind sehr umfangreich und auch noch sehr kritisch und deshalb besonders sicherheitsbedürftig.

Noch schwieriger ist es für die hinsichtlich der Infektionsmöglichkeiten besonders kritischen Bereiche der Produktion. Hier müssen technologisch umfangreiche Voraussetzungen geschaffen werden, um möglichst viele Arbeitsschritte aus der Ferne steuern zu können.

In den vergangenen Jahren war die digitale Transformation eines der wichtigsten Themen auf Messen und Kongressen der Industrie. Jetzt können diejenigen froh sein, die früh damit begonnen haben. Wie wichtig die Digitalisierung der Prozesse und die Verfügbarkeit eines durchgängigen digitalen Fadens über den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen ist, zeigen die Beispiele einer Reihe von Anbietern (in alphabetischer Reihenfolge), die bereit waren, über ihre ersten Erfahrungen mit der Situation nach dem Ausbruch des neuartigen Corona-Virus zu berichten.

ABB, Zürich

Die Geschäftszahlen von ABB für das erste Quartal 2020 zeigen einen Rückgang von 7% auf vergleichbarer Basis und von 30% beim Konzerngewinn. Es ist also keine Frage, dass der dramatische Einschnitt in die Weltwirtschaft durch die Pandemie auch für ABB deutlich spürbare Folgen haben wird. Das ganze Ausmaß kann man noch nicht ermessen, weil der Investitionsgüterhersteller generell längerfristige Geschäfte tätigt. Kurzfristige Einschnitte wie derzeit sind deshalb nur erst ansatzweise in ihren Auswirkungen zu sehen.

Aber sowohl die Kunden als auch ABB selbst gehen sehr offensiv mit den aktuellen Herausforderungen um. So stellt der Geschäftsbereich Robotik und Fertigungsautomation von ABB viele Softwarelösungen vom 27. März bis zum Jahresende kostenlos bereit. Und Kunden nutzen die Lösungen und Produkte von ABB sehr kreativ.

Covid 19 maskNagami Design beispielsweise ist ein Möbeldesign-Unternehmen in Spanien, das Kunststoff recycelt und mit Hilfe von 3D-Druck neue Kunststoffmöbel herstellt. Nachdem Spanien sehr hart von der Pandemie getroffen war und sich ein dramatischer Mangel an Gesichtsschutz zeigte, stellte Nagami auf die Produktion von Gesichtsschilden um. Das Open Source Modell Pruda für solche Masken wurde dabei für ein Spezialmodell zum 3D-Druck mit einem ABB-Roboter (Bild © Nagami Design) genutzt. Statt eines Greifers verfügt der Roboter über eine Art 3D-Druck-Spritze, die nun für die Herstellung der Gesichtsmasken zum Einsatz kommt. Der Roboter druckt siebenmal schneller als ein normaler Desktop-3D-Drucker. Alle 5 Minuten ist eine Maske fertig, 500 pro Tag.

Ein anderes Beispiel: Robot Studio, eines der nun kostenlos verfügbaren Tools von ABB, erlaubt die virtuelle Programmierung etwa des Industrieroboters SCARA an seinem digitalen Zwilling. Statt zur Inbetriebnahme und zum Training des Roboters in die Fabrik zu müssen, können die Spezialisten bei den Kunden diese Aufgaben nun von zu Hause erledigen. Die Roboter sind dann vor Ort ohne weitere Programmierung einsatzbereit.

Aucotec, Hannover

Die geplanten Umsätze von Aucotec für März und April sind auf Höhe des Vorjahres, aber da es sich bei allen Projekten um Langläufer handelt, sind Veränderungen nicht so schnell auszumachen. Bei den Kunden gibt es neben Produktionsstopp und Kurzarbeit wie in der Automobilindustrie auch Kapazitätsausweitungen, insbesondere in der Pharmaindustrie. Manche Projekte erleben Verschiebungen, aber bisher gibt es keine Stornierung. Für Aucotec zahlt sich aus, dass die Kunden sich auf nahezu alle Industrien verteilen.

Aucotec Plattform Engineering BaseDie Digitalisierung hat aus Sicht des Anbieters der Plattform Engineering Base (Bild Aucotec) aktuell nochmals deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Pandemie ist ein regelrechter Antrieb für die Digitalisierung. Global verteilt und konsistent an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten und webbasiert jederzeit allen Verantwortlichen den Überblick über die Projektfortschritte zu ermöglichen, ist gerade in Zeiten von verordnetem Homeoffice wichtiger denn je.

Aucotec hat für die Beratung und Unterstützung der Kunden die Support-Mannschaft extra aufgestockt. Sie hilft schnell und unbürokratisch zum Beispiel bei der Zugangsumstellung vom unternehmenseigenen Lizenzserver auf Heim-Arbeitsplätze. Seminare und Trainings wurden auf Remote-Schulungen umgestellt, derzeit deutlich vergünstigt. Bei Aucotec selbst waren papierloses Büro, Microsoft Teams-Nutzung und Homeoffice-sichere Infrastruktur schon vor Corona Programm. Umstellungsschwierigkeiten gab es deshalb nicht.

Dassault Systèmes, Stuttgart

Die Folgen der Pandemie sind sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft spürbar. Man muss neue Wege gehen, das macht auch Dassault Systèmes. Auch bei Dassault Systèmes hat die neue Situation bereits zu zahlreichen Veränderungen geführt, die keineswegs nur negativ sind. So hat das Management wöchentliche virtuelle Meetings eingeführt, in denen die verschiedenen Unternehmensbereiche in Kurzvideos über ihre aktuellen Entwicklungen berichten. Da werden plötzlich alle Bereiche für alle anderen viel sichtbarer als je zuvor.

Simulation for Leishenshan hospitalProduzierende Unternehmen, die nicht alle Mitarbeiter ins Home-Office schicken können, begegnen der derzeitigen Situation mit unterschiedlichen Konzepten: Das kann von der Umstellung von fünf Tagen im Zweischichtbetrieb auf sechs Tage mit Dreischicht bis hin zu Kurzarbeit und temporärem Produktionsstopp reichen. Generell wächst aber durch die Pandemie spürbar die Offenheit für Projekte zur Digitalisierung und Vernetzung. Es gibt einen regelrechten Kick für die Cloud. Die schon in den letzten Jahren in dieser Richtung ihre Fühler ausgestreckt hatten, bauen ihre Initiativen jetzt deutlich aus. Durch die Bereitstellung von Rechnerlizenzen für die 3DEXPERIENCE Plattform in der Cloud konnten viele Unternehmen ihre Mitarbeiter nahtlos und agil aus dem Home-Office arbeiten lassen.

Die Übernahme des US-Softwarehauses Medidata mit seinen zahlreichen Life-Science-Lösungen im Sommer 2019 führt derzeit zu einer starken Verlagerung der Aktivitäten. Allein bei der Suche nach einem Impfstoff ist Dassault Systèmes über Medidata an mehr als der Hälfte aller klinischen Tests weltweit unmittelbar beteiligt.

Simulation und Systemmodellierung beispielsweise durch Simulia bekommen ebenfalls eine enorme Aufwertung. Beim Bau des Leishenshan Krankenhauses im chinesischen Wuhan ging es um die Simulation des Verteilungsschemas der Klimaanlagen, um kontaminierte Luft sicher abzuleiten (Bild Dassault Systèmes). Jetzt gibt es eine strategische Partnerschaft mit der asiatischen Aden Group für Planung, Bau und Betrieb von Krankenhäusern. Der Bereich Healthcare und Life-Sciences wird für Softwarelösungen von Dassault Systèmes daher zu einem wichtigen Anwendungsschwerpunkt.

ECS Engineering Consulting & Solutions, Neumarkt

Beim Systemintegrator ECS mit Schwerpunkt auf PLM gibt es seit dem Ausbruch der Pandemie eher mehr als weniger zu tun. Dabei laufen gerade die Projekte, die langfristige PLM-Konzepte betreffen, auf Hochtouren. Auch die Migration von einem großen System zu einem anderen oder die Konsolidierung der IT-Landschaft werden von einigen Unternehmen in Angriff genommen. Ähnlich wie die Schließung der Restaurants und Hotels Gelegenheit zur Renovierung bietet, nutzen manche Industrieunternehmen die vorübergehende Ruhe zu zeitaufwendiger Umorganisation.

Die wichtigsten Neuerungen für ECS selbst sind die Umstellung auf Homeoffice und Videokonferenzen. Dabei wird deutlich, welche immensen Möglichkeiten die digitale Vernetzung bietet. Aber es zeigen sich doch auch die Grenzen: Für die Anbahnung von IT-Projekten muss man eben mit den Entscheidungsträgern am Tisch sitzen. Den Gesprächspartner physisch zu erleben ist etwas völlig anderes, als ihn nur auf dem Bildschirm zu sehen und über ein Mikrophon zu hören.

Wo bisher viele Meetings in manchen Unternehmen unnötigerweise stattfanden, ist die Videokonferenz hilfreich und enorm kostensparend. Umso beeindruckender wirkt das erzwungene Fehlen des persönlichen Kontaktes, wo es um die vertrauensvolle Zusammenarbeit geht.

ICP Solution, Hamburg

Auch viele Nutzer des von ICP Solution betreuten PLM-Systems Agile e6 sind von der Pandemie stark betroffen. Kurzarbeit und Produktionsstopp prägen das Bild. Der weitgehende wirtschaftliche Stillstand führt bei ICP zwar zu vielen Diskussionen über Kostenreduktionen und zu Verschiebungen von Consulting-Projekten. Aber der Lösungsanbieter hat auch gerade wegen der aktuellen Lage Aufträge mit anderem Schwerpunkt zu verzeichnen.

So kommen langjährige Kunden auf ICP zu und bestellen externe Wartung, um das System auch während der Abwesenheit der eigenen Spezialisten am Laufen zu halten, was bisher im eigenen Haus erledigt wurde.

Wirtschaftliche Einbußen wird ICP erst mit Verzögerung spüren. Nur weniger als 30% des Jahresumsatzes entfällt auf Dienstleistungen, wo jetzt beinahe jedes zweite Projekt unterbrochen oder verschoben wird. Der größere Teil der Einnahmen  kommt aus der Software und Softwarepflege und war von der Pandemie fast nicht betroffen.

IBM, Ehningen

Da IBM vor allem im B2B-Geschäft und dort zu großen Teilen bei den größeren Unternehmen unterwegs ist, hat der Anbieter hauptsächlich länger laufende Projekte, auf die sich das plötzliche Herunterfahren der Wirtschaft nicht so schnell auswirkt. Langfristig allerdings könnte die Pandemie auch bei IBM deutlich spürbar werden.

Erst einmal brachte die Umstellung vieler Kunden auf Homeoffice, Videomeetings und Remotebetrieb in diversen Bereichen zusätzliches und auch neues Geschäft. Der Hauptgrund könnte sein, dass sich schlagartig alle Lücken in den Sicherheitskonzepten der Unternehmen zeigen. Plötzlich sind unternehmenskritische und wettbewerbsentscheidende Informationen über das Netz unterwegs, die man vorher vor dem Zugriff von außen sicher glaubte. Auf einmal sind sie leichte Beute, wenn keine entsprechenden Vorkehrungen getroffen wurden.

Die Stunde der Cloud-Lösungen ist folglich auch die Stunde der Themen Daten- und Systemsicherheit. Insofern ist man sich bei IBM relativ sicher, dass die gegenwärtige Lage für die Anbieter entsprechender Lösungen mittel- bis langfristig eher noch stärkere Nachfragen bedeutet. Vieles, das in den Unternehmen in den normalen Zeiten vor der Pandemie noch für zweitrangig gehalten wurde, rangiert plötzlich sehr weit oben und zwingt zu raschen Entscheidungen.

Keytech Süd, Sulz am Neckar

Gegenüber der Zeit vor dem Ausbruch der Pandemie haben die Projekt-Mitarbeiter des PLM-Anbieters keytech Süd im Schwarzwald erheblich mehr Arbeit, insbesondere im Consulting. Stornierungen von Projekten gab es keine, nur einzelne Verschiebungen. Aber insgesamt muss keytech Süd eher einen großen Berg an Aufgaben abarbeiten als die Füße hochzulegen.

Der Geschäftsführer Frank Schlupp sagt, die Pandemie sei wie ein Katalysator. Es gibt einen Schwenk der Kunden hin zur Digitalisierung. Was sich in den letzten Jahren nur andeutete, wird jetzt sprunghaft Realität. PLM soll mehr und mehr als zentrale Datendrehscheibe fungieren, und die Abbildung des digitalen Informationszwillings in Form einer Produkt-Lebenslaufakte nimmt deutlich Fahrt auf. Die Prozesse werden analysiert und mit BPMN 2.0 (Business Process Documentation) dokumentiert. Dann lassen sie sich automatisieren und ausführen. Ein riesiger Mehrwert, so Frank Schlupp.

Mit der Arbeit von zu Hause ist der Bedarf der Kunden an Lösungen gestiegen, mit denen auf den Unternehmens-Server zugegriffen werden kann. Dabei gewinnen Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure an Bedeutung. Die PLM-Umgebung ist komplett in diesem Cloud-Dienst verfügbar. Erste positive Erfahrungen ebnen den Weg. Und dabei suchen die Kunden natürlich die Unterstützung ihrer wichtigsten Systemlieferanten. So dehnt sich für keytech Süd das Geschäft eher über den PLM-Bereich aus, statt einzubrechen.

Oose Innovative Informatik, Hamburg

oose ist in der Hauptsache ein Beratungs- und Seminardienstleister mit klarem Schwerpunkt auf Methoden des Software- und Systems-Engineering. Deshalb kam hier die Kontaktsperre und das Abstandsgebot fast einem vorübergehenden Stopp der Geschäftstätigkeit gleich. Denn bis zur Pandemie fanden ja fast alle Schulungen und Beratungsgespräche mit persönlicher Anwesenheit aller Beteiligten statt.

Jetzt wurde alles auf Online Meetings und Trainings umgestellt und funktioniert auch sehr gut. Man muss Anpassungen am Ablauf vornehmen und beispielsweise längere Pausen vorsehen. Aber manche Kunden wollen das grundsätzlich nicht, sondern bestehen auf der Art von Seminaren, die sie gewohnt waren. Auf der anderen Seite kommen aber durch die vermehrte Nutzung digitaler Tools auf den Hamburger Dienstleister auch neue Anfragen zu, die nun das Erlernen des Umgangs mit solchen Werkzeugen zum Gegenstand haben.

Während die einen, unter dem Druck enormer Sparzwänge von Seiten des Controllings, momentan eher abwarten und Projekte schieben, gibt es auch neue Aufträge: Insbesondere im Umfeld der Medizin wächst der Bedarf, sich Kenntnisse in Software- und Systementwicklung zuzulegen.

Und noch etwas ist erfreulich: Im eigenen Haus gab es gegenüber digitalen Seminaren und Konferenzen ebenfalls Zurückhaltung. Die ist mit Corona über Nacht verflogen.

PROCAD, Karlsruhe

Nach einer ersten Schockstarre Anfang April durch die Corona-Restriktionen kehrt bei PROCAD, dem Anbieter des PLM-Systems PRO.FILE, im Geschäftsleben langsam wieder Normalität ein. Es bleibt zwar die große Unsicherheit, wann und wie stark die Wirtschaft wieder anspringt, aber unabhängig davon, ob sie zu den Gewinnern der Krise zählen, haben etliche Unternehmen erkannt, dass es auch eine Chance ist, mit neuen Mitteln an den Restart zu gehen.

Es gibt Kunden, bei denen das PLM-Projekt trotz Produktionsstopp oder Kurzarbeit explizit zu 100% weiterarbeiten darf. Einige beschleunigen ihr PLM-Projekt sogar, wenn sie etwa in der relevanten Industrie aktiv sind oder entsprechende staatliche oder behördliche Investitionsmittel oder Zuschüsse erhalten haben.

Die digitale Transformation wurde durch die Corona-Krise massiv beschleunigt. PROCAD hat deutlich mehr Anfragen über die Nutzung von asynchronen Kommunikationswerkzeugen wie MS Teams oder Linkando (https://www.linkando.com/) und PROOM (https://www.pro-file.com/de/proom-dateiaustausch/).  Und die Verwendung von Produkten über VPN, Remote Desktop und generell im Homeoffice-Kontext ist zum Standard geworden.

PTC, Unterschleißheim

Nach Aussage von PTC intensivieren einige Kunden insbesondere in Europa derzeit in PLM-Upgrade-Projekte, um den Zugang zu den Engineering Daten auch von außerhalb des Büros zu ermöglichen. Der belgische Automobil-Zulieferer VCST Industrial Products etwa beschleunigt seine PLM-Pläne und nutzt dafür den derzeitigen Stillstand.

Insgesamt macht aus Sicht von PTC die Pandemie die Schwächen papierbasierter Prozesse besonders deutlich. Zahleiche Teams in der Industrie beschleunigen die Verlegung ihrer Daten nach Windchill (PLM). Die Kunden von PTC Cloud unterstützen die Mitarbeiter beim Umstieg auf die Cloud-Nutzung, um die zunehmende Arbeit vom Homeoffice zu erleichtern. Und Kunden, die der Cloud nie offen gegenüberstanden, haben sich nun sehr schnell entschieden, den Umstieg zu realisieren.

Auch die Visualisierung von PLM-Daten mit Windchill, insbesondere Creo View, erlebt derzeit einen deutlichen Aufwärtstrend.

Siemens, München

Siemens ist mit mittlerweile rund 25.000 Softwarespezialisten selbst einer der großen Anbieter von Industriesoftware. Die negativen Auswirkungen der Pandemie sind begrenzt. Von 120.000 Mitarbeitern in Deutschland sind mit 1.600 weniger als 2 % in Kurzarbeit. Auf der anderen Seite steigen die Kundenanfragen gerade wegen der aktuellen Situation.

Leiterplattenbestückung in AmbergHoch automatisierte Leiterplattenbestückung in Amberg (Foto Siemens AG)

Am 19.4. erläuterte Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands und CEO der Division Digital Industries, im Bayrischen Rundfunk (BR), wie sehr sich die Vorteile der digitalen Vernetzung jetzt zeigen. „Mitarbeiter, die Produktionsverantwortung haben, die für den Service-Einsatz da sind, die für den Ablauf zuständig sind, haben Remote-Zugriff auf die einzelnen Maschinen-Zustände und müssen natürlich bei einem Störungsfall vor Ort gehen. Aber wenn der Betrieb normal läuft, sind wir in der Lage, diesen Betrieb mit 40% von zu Hause aus zu steuern und am Leben zu erhalten."

Gerade in Zeiten, in denen es darum geht, möglichst wenige Menschen vor Ort in der Fabrik zu haben, seien solche Technologien für viele Kunden offenbar interessant. Zumal sich nicht nur Maschinen in der Produktion steuern lassen. Sind ganze Unternehmens-Abläufe vernetzt, können auch Entwickler von zu Hause aus arbeiten und sich mit ihren Kollegen digital austauschen, so Klaus Helmrich.

Bei Siemens sei zu hören, das Kunden-Interesse ist riesig, heißt es beim BR. Wenngleich sich derzeit die Autohersteller oder Maschinenbauer mit konkreten Aufträgen noch zurückhalten.

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