EPLAN: mit Sicherheit in die Cloud

15.10.2019

Interview mit Sebastian Seitz, CEO von Eplan und Cideon

(Das Gespräch fand Ende September 2019 in der Münchner Niederlassung in Gräfelfing statt.)

PLMportal: Eplan geht in die Cloud. Welche Sicherheit können Sie den Kunden geben, dass deren Daten vor Missbrauch und Weitergabe an Dritte geschützt sind?

CEO Sebastian SeitzSebastian Seitz (Fotos Eplan): Wenn wir von der sogenannten öffentlichen Cloud der großen Anbieter sprechen, setzen wir auf im Markt erprobte Lösungen. In unserem Fall ist das Microsoft Azure. Hier gibt es heute eine Infrastruktur, von der unsere Kunden immer besser verstehen, dass sie eine Sicherheit für die dort gehaltenen Daten bietet, die im eigenen Haus kaum geschaffen werden kann.

Und schließlich reden wir heute bei Softwareentwicklung, wie sie für Applikationen in derartigen Plattformen zum Einsatz kommt, von der built-in Security. Die Software muss bereits sicher gegen Missbrauch und Datendiebstahl designt sein, und auch da setzen wir auf die ausreichend verfügbaren Standards.

Das bedeutet, dass wir das Thema Sicherheit sehr ernst nehmen und große Anstrengungen in diesem Sinne unternehmen. Die Datenhoheit unserer Kunden hat dabei oberste Priorität. Dennoch ist klar, dass es eine 100%ige Sicherheit in unserer vernetzten Welt absehbar nicht geben wird, weder in den Infrastrukturen der Kunden, noch in der Cloud.

PLMportal: Wird Eplan seine Produktpalette Cloud-gerecht neu schreiben und als Software as a Service anbieten? Wenn ja: Gibt es dafür einen Zeitplan oder eine Roadmap?

Sebastian Seitz: Dort, wo es sinnvoll ist und Kundennutzen generiert, ja. Aber Eplan Electric P8 wird jetzt nicht als Erstes umgebaut. Wir wollen vielmehr das Arbeiten mit P8 durch die Möglichkeiten der Cloud beschleunigen. Wir bevorzugen ein schrittweises Heranführen unserer Kunden an das Neue, ohne gleich den Kern anzufassen. Niemand soll zum Wechsel in die Cloud gezwungen werden. Der potenzielle Mehrwert soll überzeugen.

Bei der Entwicklung neuer Lösungen nutzen wir übrigens die aus dem Scrum-Prozess bekannten Methoden. Wir arbeiten heute mit Verantwortlichkeiten, die viel unmittelbarer mit den Lösungen für die Kunden verknüpft sind. Der Business Owner etwa ist dafür zuständig, die Anforderungen des Marktes zu kennen und sich auch um die Vermarktung zu kümmern. Der Solution Owner ist so etwas wie der technische Architekt, der die technischen Eigenschaften und Funktionen verantwortet. Und der Product Owner ist für einen konkreten Service von der Entwicklung bis zum Einsatz beim Kunden verantwortlich.

PLMportal: Hält Eplan die KI-Technologie für reif genug, um sie in der Industrie einzusetzen?

CEO Sebastian SeitzSebastian Seitz: Dass ist meiner Ansicht nach gar keine Frage. Aber wir müssen entscheiden, wofür wir sie einsetzen wollen, was sie uns an Resultaten liefern soll, welche Daten wir dafür benötigen und welche Semantik wir diesen Daten gegenüberstellen können, um sie zu trainieren. Predictive Maintenance ist jetzt in aller Munde, aber das ist ja nur der Anfang.

Derzeit haben wir ein Team, das sich ausschließlich damit beschäftigt, Antworten auf solche Fragen zu geben. Was hier geschieht, ist regelrechte Forschungsarbeit.  Für uns ist das ein äußerst spannendes Feld, auf dem wir zu gegebener Zeit unsere Lösungsansätze darstellen werden.

PLMportal: Planen Sie die Beteiligung an einem Industrieplattform-Ökosystem wie Adamos oder Siemens MindSphere?

Sebastian Seitz: Wir sehen unsere Lösungen nicht als unmittelbaren Bestandteil solcher Plattformen. Unser Lösungsansatz in dieser Frage lautet: Cloud-to-Cloud Connectivity. Wir wollen unsere Dienste über die Nutzung von Standards wie Industrial Data Space oder Fiware für alle Plattformen interessant machen, ohne uns in Abhängigkeit zu begeben.

Der beste Service eines Plattformanbieters bringt uns wenig, wenn wir ihn in dieser Form nur in dieser einen Plattform nutzen können. Die neue Plattformwelt ist leider noch so proprietär, wie wir das aus der Vergangenheit der IT kennen. Wir möchten unsere Lösungen so gestalten, dass sie überall funktionieren.

PLMportal: Die PLM-Anbieter haben das Thema PLM mehr oder weniger aufgegeben, zumindest ist es offensichtlich nicht mehr das Dach über der Engineering-Software oder generell Industriesoftware. Wie geht Eplan damit um? Bleibt der Anschluss an PLM-Systeme aus dem Maschinenbau wichtig?

Sebastian Seitz: Das Versprechen von PLM, wirklich alle zu einem Produkt gehörenden Daten, also auch aller beteiligten Fachbereiche, über den gesamten Lebenszyklus zu managen, wurde aus meiner Sicht nicht eingelöst. PLM ist in weiten Teilen beim Datenaustausch und Management eines Teils der Produktentwicklungsdaten stehengeblieben. Der Begriff ist trotzdem noch in Gebrauch.

Unser Ansatz: Wir machen uns integrierbar. Der Bedarf an konsistenten Daten über den Lebenszyklus ist unzweifelhaft da und richtig. Deshalb reden wir mit den Anbietern der entsprechenden Systeme von 3DEXPERIENCE über Teamcenter, SAP und Pro.File bis Windchill und Vault. Unsere Daten sollen problemlos und einfach mit all diesen Umgebungen integrierbar sein.

PLMportal: Verschwimmt zunehmend die Grenze zwischen den alten Standardsoftwarebereichen? Etwa PLM, ERP oder CRM, aber auch zwischen den fachspezifischen Applikationen?

Sebastian Seitz: Die breite Debatte über Digitalisierung, Smart Factory und Industrie 4.0 hat dazu geführt, dass unsere Kunden wie wir heute in Prozessen von Anfang bis Ende denken. Die Silos von SCM, CRM oder ERP und die Abschottung der einzelnen Anwendungsbereiche passen nicht mehr in die Zeit. Das „Erleben“ des Kundennutzens ist wichtig. Die Customer Journey, wie sie aus den Onlinemedien kam, ist heute auch für unsere Kunden entscheidend.

Wer will noch ein Angebot haben, eine Bestellung aufgeben, den Auftrag bestätigt bekommen, und die Rechnung bezahlt haben, bevor er in die Produktnutzung kommt? Aus Sicht moderner Unternehmen dauert all das Ewigkeiten. Das ist Zeitverschwendung und muss viel einfacher und schneller gehen. Online. Es darf nicht mehr Tage und Wochen dauern, wenn es online in Sekunden möglich ist.

PLMportal: Wie sehen Sie die Entwicklung der Industriesoftware? Ist Standardsoftware, die als Produkt in Form von Lizenzen verkauft wird, überholt? Wie stark fordern Ihre Kunden heute schon Lösungen durch Nutzung der Software, ohne ganze Pakete oder Plattformen kaufen zu müssen?

Sebastian Seitz: Der Ruf nach Standardsoftware wird sogar immer stärker, weil sie für die Standardisierung der Prozesse nötig ist. Der Leistungsumfang der großen Pakete wird immer noch gewünscht. Aber die Zugänglichkeit muss verbessert werden. Der Anwender muss besser unterstützt werden. Es muss viel einfacher werden, beispielsweise ein CAx-System „mal schnell“ zu nutzen. Das ist noch nicht der Fall.

Hier können Machine Learning und KI helfen, die einfache und benutzerspezifische Anwendung noch viel besser zu unterstützen. Eplan Smart Wiring ist ein typisches Beispiel, das einfacheres Handling ermöglicht, über einen digitalen Zwilling des Schaltschranks die Verdrahtung zu unterstützen. In solchen Feldern liegen unsere derzeitigen Hauptanstrengungen.

Unsere nächsten Themen? Der digitale Zwilling in Form des 3D-Schaltschranks oder der Ausbau und die Optimierung des Eplan Data Portals mit einem einheitlichen Datenstandard. Gemeinsam mit Rittal werden wir die Integration in die Wertschöpfungskette des Steuerungs- und Schaltanlagenbaus noch runder machen – und vieles mehr.

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