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Eröffnung des Bayrischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt)

18.07.2019

Am 17. und 18. Juli wurde in der Bayrischen Akademie der Wissenschaften in München das bidt eröffnet. Sein Ziel ist die aktive Beteiligung an der politischen und gesellschaftlichen „Gestaltung der digitalen Transformation zum Nutzen der Gesellschaft“. Dazu stehen vor allem interdisziplinäre Forschung, datenbasierte Analysen und ein intensiver Dialog im Fokus.

Vom Grußwort des Bayrischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, bis zu acht Projektvorstellungen des Forums Junge Forschung reichte die Palette der Beiträge. Wer erwartet hatte, dass das bidt sich bereits mit konkreten Vorschlägen in die Debatte einklinkt, die ja nun schon seit einigen Jahren geführt wird, wurde allerdings enttäuscht.

Prof. Alexander PretschnerEtwas konkret wurde Professor Alexander Pretschner (Foto Sendler), Vorsitzender des bidt Direktoriums, das sich aus zehn Professoren unterschiedlicher Fakultäten zusammensetzt, von Politologen und Soziologen über Juristen und Ethiker bis zu Innovationsforschern. Drei Schwerpunkte habe sich das bidt zunächst vorgenommen, so Pretschner. An erster Stelle stehe die Förderung interdisziplinärer Forschungsprojekte in Wissenschaftlerteams aus ganz Bayern. Ihre Themen verbinden Technik, Ökonomie, Recht, Sozialwissenschaften und Ethik. Die anderen beiden Schwerpunkte sind der Thinktank, der Berichte und Analysen über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Trends erstellt, sowie der Dialog, der den Austausch mit den Akteuren des gesellschaftlichen und politischen Wandels sucht. Für seine Arbeit bekommt das bidt vom Freistaat Bayern mehr als 20 Planstellen und jährlich rund 6,2 Millionen Euro.

Prof. Ursula MünchWas genau der „dritte, europäische Weg der Digitalen Transformation“ zwischen China und den USA sein soll, den Professorin Ursula Münch (Foto Sendler), Direktorin der Akademie für Politische Bildung und Mitglied des bidt Direktoriums, in ihrer Keynote beschwor, das blieb im Unklaren. Sie verlangte einerseits, dass die Politik den Grundsatz „Daten nützen, Daten schützen“ ernsthaft befolgen und die Rechtsstaatlichkeit garantieren müsse. Andererseits stellte sie gleich die erste Frage, die sich dabei aufdrängt, nämlich das derzeit nicht existierende Eigentumsrecht an Daten, als etwas Unlösbares dar. Weil damit die Geschäftsmodelle der Internetkonzerne grundsätzlich in Frage gestellt würden, sei eine „data ownership“ praktisch unrealisierbar. Aber müsste nicht der dritte Weg gerade darin bestehen, Regeln zu setzen, denen sich auch die chinesischen und US-amerikanischen Akteure beugen?

Den Politikern gegenüber, die offensichtlich durch das ungeheure Tempo und die Macht der digitalen Transformation überfordert seien, zeigte sie Verständnis. Vielleicht sei ein Grund für diese Überforderung, dass sich diejenigen, die sich mit dem Digitalen auskennen, eher nicht zur Politik hingezogen fühlen und deshab dort die Kompetenz fehlt. Mag sein. Bisher versuchen jedenfalls Politiker eher mit inhaltsleeren Floskeln zur digitalen Transformation die Wähler für den nächsten Urnengang zu bewegen, statt Gesetzesvorhaben auf den Weg zu bringen, die staatliche Infrastrukturen und Regelungen für Datengeschäfte beinhalten. Für Floskeln und Wahlversprechen haben Leute mit Digitalkompetenz weder Zeit noch Lust. Bei ernsthaften Gesetzesvorhaben wären sie vielleicht bereit, sich einzubringen.

Der Freistaat Bayern gibt Geld aus für die digitale Transformation. Hoffentlich fließt es an die richtigen Stellen und in die richtigen Projekte. Die junge, überzeugende und überzeugte Professorin Lisa Herzog, die die jungen Forscher vorstellte und deren Interview in der FAZ in der vergangenen Woche die Debatte im Land bereicherte, verlässt Bayern jedenfalls schon im Herbst in Richtung Niederlande. Gestern noch als Mitglied des bidt-Direktoriums von der Hochschule für Politik an der TUM vorgestellt, hat es die TUM nicht geschafft, sich schnell genug für sie zu entscheiden. Digitale Transformation bedeutet auch, dass sich Politik, Wissenschaft und Gesellschaft gerade in den führenden Positionen deutlich verjüngen müssen. Davon war gestern noch zu wenig zu spüren.

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