Hannover Messe – Spiegel der Industrie im digitalen Umbruch

01.05.2018

Die größte Industriemesse der Welt hatte ihren 70. Geburtstag bereits im letzten Jahr. Aber sie sah auch 2018 alles andere als überaltert oder nach Ruhestand aus. Vielmehr macht sie in den letzten Jahren einen solch gravierenden Wandel durch, dass sie kaum noch wiederzuerkennen ist. Die digitale Transformation der Industrie hat sie in vollem Umfang erfasst.

Was digital ist in der Industrie, bleibt längst nicht mehr auf die Digital Factory beschränkt. Ob Automatisierung, Antriebe, Forschung oder Zulieferer – nirgends sind IT und das Internet der Dinge und Dienste mehr zu übersehen, überall stehen Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle im Vordergrund.

AWSDie Digital Factory, inzwischen auf fast drei Hallen und mehr als 20.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche angewachsen, ist dabei der Kulminationspunkt. Hier hat sich alles versammelt, was derzeit an Hochtechnologie im Rampenlicht steht. Künstliche Intelligenz, Maschinenlernen, Cloud-Plattformen und eine regelrechte Plattformökonomie – nicht mehr die Herstellung von Produkten und deren Präsentation stehen im Zentrum, sondern ihre Vernetzung und die Dienstleistungsgeschäfte auf Basis von Industriedaten, die damit möglich werden. Und alle wichtigen Namen sind inzwischen da: Amazon Web Services (AWS), Cisco, Google, IBM, Intel, Microsoft, Oracle, SAP – um einige namentlich zu nennen.

SiemensDass dazu in den Unternehmen umso mehr nach dem besten Weg zu digitalen Zwillingen aller Art gesucht werden muss, sorgt dafür, dass auch die nun schon traditionell zu nennenden IT-Anbieter von CAx, PLM, MES und ERP in den neuen Strudel mitgerissen werden. Von einbrechenden Nachfragen ist jedenfalls nichts zu hören. Vielmehr ist schon ein Allgemeinplatz, dass sie alle noch mehr Projekte umsetzen könnten, hätten sie nur das geeignete Fachpersonal. Und auch hier: Von Aucotec über Autodesk, Cideon, Dassault Systèmes und Eplan bis PTC und Siemens waren weiterhin alle Größen vertreten.

Haier CosmoplatChinas High-Tech-Unternehmen sind auch in Hannover weiter auf dem Vormarsch. Nach Huwaei und Haier schon im letzten Jahr nun auch ein Stand aus Shenzhen und einer von Huazhi. Bei Haier konnte man inzwischen sehen, wie schnell aus der Plattformstrategie des ehemals nur als Haushaltsgerätehersteller bekannten Unternehmen mit Cocmoplat nun einer der weltweit führenden Anbieter von Industrieplattformen wurde. Produktindividualisierung geht dabei einher mit individuellen Services und Kundenvernetzung, wobei wie bei anderen Plattformen Partnerschaften mit anderen Anbietern von Infrastruktur und KI dazugehören und unter anderem Phoenix Contact und die Fraunhofer Gesellschaft einschließen. Mehr als 320 Milllionen Dienstenutzer, mehr als 21 Millionen vernetzte Geräte, mehr als 41 Millionen individualisierte Produktbestellungen.

Halle 8In Halle 8, seit Jahren Ort der öffentlichen Debatte über Industrie 4.0 und Industrial Internet, war auch in diesem Jahr wieder Anlaufstelle für Interessierte wie Aussteller. Gleich neben der Plattform Industrie 4.0 stellte zum Beispiel FIWARE gemeinsam mit International Data Spaces Association (IDSA) zwei industrielle Anwendungsbeispiele für eine neue Referenzarchitektur vor, die den Umstieg der Unternehmen basiert auf Standards erleichtert.

Das Digitale und die Vernetzung stehen so sehr im Vordergrund und Mittelpunkt der Hannover Messe, dass es an die Zeiten erinnert, als aus dieser Messe die CeBIT hervorging. Diesmal allerdings scheint der Industriemesse selbst eine umfassende Erneuerung bevorzustehen. (alle Fotos Sendler)

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