Hannover Messe vor größerem Wandel im kommenden Jahr

15.04.2019

Die Hannover Messe war 2012 der Ort, an dem die Initiative Industrie 4.0 erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Seitdem war hier jedes Jahr der Fortschritt der digitalen Industrie zu sehen, die Zusammenarbeit mit ähnlichen internationalen Initiativen, und es wurde die Debatte mit Regierung und Wissenschaft geführt. Jetzt passt die seit vielen Jahren gelebte Struktur der Hannover Messe mit ihren diversen Leitmessen offenbar nicht mehr zur Dynamik einer Industrie, die mitten in der Digitalisierung steckt.

Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG, äußerte sich noch während der diesjährigen Hannover Messe in einer Pressemitteilung zu einem grundlegenden Umbau im kommenden Jahr: „Unser klares Ziel: eine starke Hannover Messe, die weiterhin die industrielle Transformation vorantreibt und wächst – sowohl bei Ausstellern als auch bei Besuchern."

Konkret wird die Messe statt in die bisherigen Leitmessen in sieben Ausstellungsbereiche gegliedert. Die Bereiche sollen künftig auch die Kommunikation mit Ausstellern und Besuchern bestimmen, aber eben als Themenbereiche der in den Vordergrund rückenden Hannover Messe.

Hallenplan 2020(Hallenplan 2020, Quelle Deutsche Messe AG)

Vor allem zwei Bereiche stechen heraus: Automation, Motion & Drives belegt mit den Hallen 2 bis 13 den größten Teil und rahmt die gesamte Messe von Osten und Süden. Digital Ecosystems wird der digitale Kern der Messe und füllt künftig die Hallen 14 bis 17. Alles was die digitale Vernetzung betrifft, der Einsatz von Software wie PLM, MES, Logistik-IT, digitale Plattformen und Cloud-Lösungen, IT-Security, Augmented & Virtual Reality, aber auch Energiemanagement-Lösungen, Künstliche Intelligenz und 5G-Infrastruktur – hier  und von hier aus kann das weiter wachsen, was als Digital Factory zuletzt in den Hallen 5, 6 und 7 sowie auf den Foren und Gemeinschaftsständen in Halle 8 am deutlichsten die digitale Transformation der Industrie gespiegelt hat.

Mit Future Lab gibt es in den Hallen 21 und 24 einen neuen Bereich, der Forschung und Entwicklung, Startups, Emerging Technologies, Innovationskultur und die Zukunft der Arbeit zu einem „Hotspot für Innovationen“ werden soll, in dem Startups auf Forschungsinstitute und Industrieunternehmen auf Querdenker und junge Talente treffen.

Die bisherige CeMAT mit den Themen der Intralogistik wird nun vollständig in die Hannover Messe integriert. Alle zwei Jahre im Wechsel gibt es die Bereiche Logistics und Compressed Air & Vacuum. Im Bereich Energy Solutions konzentrieren sich Stromerzeugung, Stromübertragung, Strom-, Wärme- und Kälteversorgung sowie die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge. Engineered Parts & Solutions schließlich zeigt Leichtbau, Oberflächentechnik, materialspezifische Komponenten, Fügetechnologien und Engineering-Dienstleistungen. Hier wird auch das Thema Additive Manufacturing seine Heimat finden.

Der Ausstellerbeirat hat sich hinter die neue Struktur gestellt. Ob sie die richtige für die immer schneller umgesetzte Digitalisierung in der Industrie ist, muss sich zeigen. So lange wie die bisherige Ordnung der Hannover Messe wird sie vermutlich nicht halten. Dafür ist der Umbruch, den wir gerade erleben, zu heftig. Aber mit Automatisierung und Digitalisierung sind die beiden richtigen Kerne des Wandels klarer als bisher ins Zentrum gewandert. Das dürfte eine gute Basis sein für die weitere Entwicklung der Messe.

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