3DEXPERIENCE Forum 2018

24.10.2018

Gute Plattform zur Diskussion neuer Geschäftsmodelle und der Wege dorthin

Wohl kaum jemand kommt noch zum Forum, um sich über neue Features und Funktionen zu informieren, und das ist auch nicht Inhalt der Vorträge. In der Lokhalle am Bahnhof in Göttingen trafen sich mit rund 400 Teilnehmern am 18. und 19. Oktober etwa Gleichviele wie im Vorjahr. Das von Dassault Systèmes gefundene Format passt. Es bietet den Experten aus der Industrie eine Plattform zum dringend nötigen Gedankenaustausch. Und viel Stoff zur Anregung und zum Nachdenken.

Breakout-Session mit CLAASBreakout-Session mit CLAAS (Foto Dassault Systèmes)

Schon rein äußerlich erinnert nichts an die bekannten Veranstaltungen mit der Powerpoint-Wall auf der großen Bühne, vor der die Teilnehmer zum Zuhören verdammt sind. Stattdessen sind die drehbaren Stühle rings um die kleine Bühne in der Mitte angeordnet, und auf vier Seiten sorgen große Leinwände dafür, dass man sich auf keinem Platz verrenken muss.

Breakout-Session mit HOMAG (Foto Dassault Systèmes)

Breakout-Session mit HOMAG

Noch schöner allerdings: Neben den relativ wenigen, dafür umso interessanteren, weil von Querdenken geprägten Keynotes finden die Break-out-Sessions alle in diesem großen Raum statt. Gleichzeitig jeweils vier vor einer der Leinwände, jeder Teilnehmer hört über ein Headset nur, was ihn gerade interessiert. Und wenn sein Interesse wandert, genügt ein Drehen des Knopfes für den Ton der betreffenden Bühne und ein Drehen des Stuhls für die passende Leinwand.

Auch die begleitende Ausstellung in dem großen Raum mit den vielen Tischen lädt eher zum Gedankenaustausch ein als zum Bewundern von Werbung oder Software. Zwei halbe Tage und ein langer Abend Zeit für Gespräche über das, was die Experten bewegt. Und wer hinhörte, wusste: Es geht weniger darum, was man mit Software machen kann. Es geht darum, wie sich die Industrie gerade neu erfindet, welche Geschäftsmodelle ausprobiert werden, was mit den Daten aus Produkt und Produktionsanlagen zu machen ist. Welche Daten man wofür braucht.

CEO Klaus Löckel(Klaus Löckel, Managing Director Eurocentral, Foto Sendler)

Dem entsprachen fast alle Vorträge der Kundenunternehmen. Von CLAAS über HOMAG bis Kärcher und die vielen anderen Unternehmen standen nicht mehr die Fragen der Softwareimplementierung im Vordergrund. Vielmehr zeigten die Referentinnen und Referenten, welche erstaunlich weitgehenden Schritte sie bereits in Richtung der digitalen Zukunft gemacht haben oder unmittelbar vor sich sehen: Plattformen, auf denen Produktnutzung, integrierte Dienstleistung über vernetzte Produkte und anderes angeboten werden; Netzwerke, in denen sich Unternehmen projektweise oder längerfristig zusammentun, um gemeinsam größere Ressourcen nutzen zu können; Entwicklungsmethoden wie Modellbasiertes Systems Engineering und neue Organisationsformen, mit denen die Unternehmen der digitalen Transformation gerecht zu werden versuchen.

Logo des ForumsNeben den technischen Themen war auch genügend Platz für ganz andere, eher gesellschaftliche Aspekte. Und für eine interessante Diskussion über die mögliche Zusammenarbeit des deutschen Maschinenbaus mit der chinesischen Industrie. Diesen großen Bogen des Forums spannte der neue Chef von Dassault Systèmes für Zentraleuropa, Klaus Löckel, schon mit seinem Eröffnungsvortrag. Und er wurde unterstrichen von dem stets wiederkehrenden Bild der Lokhalle auf einem Stück Erde (Foto Sendler), dessen Wurzeln und Erdschichten aus der digitalen Welt kamen und vielleicht andeuteten, dass die ganze Digitalisierung letztlich dem Menschen, seiner Mobilität und Kommunikation, aber eben gerade auch der Erde selbst zugutekommen muss.

Wenn sich dieser Charakter des Forums herumspricht, könnte es sein, dass die Teilnehmerzahlen in den nächsten Jahren ziemlich schnell wachsen.

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