Initiative von Fraunhofer IPK in Berlin im Rahmen von "Fraunhofer vs. Corona"

07.05.2020

Anfang April hat die Fraunhofer Gesellschaft ein umfassendes Programm „Fraunhofer vs. Corona“ aufgelegt. Präsident Prof. Reimund Neugebauer hat dazu erklärt:

„Kurzfristig widmen wir Fraunhofer-intern für sofortige Anschubfinanzierungen Mittel in Millionenhöhe um. Wir konzentrieren uns hierbei auf eine Forcierung von direkten Anti-Corona-Projekten aus dem Medizin- und Gesundheitssektor, zum Beispiel die Impfstoffentwicklung, notwendige innovative Diagnostik und Medikamentenentwicklung, die Bereitstellung von IT-Kapazitäten sowie gezielte Vorlaufforschung. Darüber hinaus unterstützen wir technologisch ad hoc bei der Produktion von Komponenten für Schutzausrüstungen. Gerade kleinen und mittleren Unternehmen wollen wir jetzt mit FuE- und Qualifizierungsangeboten unter die Arme greifen – und dem Mittelstand in dieser schwierigen Zeit einen gezielten Innovations-Push geben. Mit diesen Initiativen fördern wir den Erhalt hiesiger Kompetenz und Know-how-Kapazität und tragen damit zur Sicherung der Technologieführerschaft und Technologiesouveränität Deutschlands und Europas bei.“

Alle Einrichtungen der Forschungsgesellschaft wurden aufgerufen, entsprechend ihrer besonderen Expertise Projekte zu starten. Das Fraunhofer VPE IPK in Berlin hat mit seinem Schwerpunkt auf Produktentwicklung und Produktion darauf mit einer Initiative reagiert, die bereits am 1. Mai startete und bis Ende September läuft. Sie soll die Open Source Community in ihren Bemühungen zur schnellen Entwicklung und Produktion von Beatmungsgeräten stärken. Hier die Stellungnahme des Fraunhofer VPE IPK:

Mit Open Source-Hardware gegen Corona

VPE BeatmungsgerätBild: VPE Beatmungsgerät Produzieren trotz Corona, © phonlamaiphoto / Adobe Stock

Es gibt derzeit keine konsolidierten Aktionen der Open Source Community für Entwicklung, Planung und Herstellung von Beatmungsgeräten wenngleich das Potential gewaltig ist. Dieses zu beheben gelingt zukünftig nur, wenn die Wege klar werden, wie die Open Source Community in Einklang mit klassischen produzierenden Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer regionalen Besonderheiten wirken kann. Bisher wurde dieses Potential nicht evaluiert und auch keine gemeinsamen Wege aufgezeigt.

Herausforderung an die Open Source Community

Durch die Pandemie des SARS-CoV-2 wurde aufgezeigt, dass es einen Mangel an lebensnotwendigen Beatmungsgeräten in Deutschland, Europa und weltweit gibt. Daraufhin haben Unternehmen, Forschungseinrichtungen und private Personen angefangen, an Umsetzungen für improvisierte Geräte zu arbeiten. Es hat sich eine Bewegung (Community) herausgebildet, die allerdings keine eindeutigen Ansprechpartner hat, unüberschaubar in ihrem Tun und Wirken ist und dabei keine sichtbare Produktionsstrategie verfolgt. Vor dem Hintergrund muss dennoch sichergestellt werden, dass die entwickelten und produzierten Beatmungsgeräte alle notwendigen medizinischen Regularien einhalten und auch sicher hergestellt werden können. Die wesentlichen Herausforderungen liegen in der schnellen Entwicklung, bedarfsgerechten Herstellung und Zertifizierung von Beatmungsgeräten, die zur Heilung von Patientinnen und Patienten eingesetzt werden können.

Aktuelle Ausgangssituation

Es gibt einige Forschungseinrichtungen und Firmen, die an der Entwicklung von Open Source basierten Beatmungsgeräten arbeiten. Allerdings wird dabei normalerweise der Aspekt der Serien- und/oder verteilten Fertigung mit lokalen Besonderheiten (z. B. Fertigungsmittel, Ressourcen, Kompetenzen, Logistik) vernachlässigt. Es muss ein Umdenken hin zu einer integrierten Entwicklung und Fertigung erfolgen. Dies kann die Open Source Community erreichen – allerdings müssen dafür Wege analysiert und aufgezeigt werden. Neben der integrierten Entwicklung und Fertigung bleiben die Einrichtung der Lieferkette für medizinisch geeignete Teile, die Beschaffung von Expresszertifizierungen, klinische Versuche, die Gewährleistung der Ausbildung des medizinischen Personals und die Unterstützung der Geräte vor Ort wichtige Herausforderungen. Wie diese zu bewältigen sind, soll mit dem Vorhaben Open Source-Hardware gegen Corona untersucht werden.

Die Wirkung von Open Source-Hardware gegen Corona

Mit dem Vorhaben Open Source-Hardware gegen Corona soll die Leistungsfähigkeit und Wirksamkeit der Open Source Community untersucht und Wege aufgezeigt werden, wie die Community einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und Fertigung komplexer medizinischer Beatmungsgeräte leisten kann. Ein weiteres Ziel ist das Aufzeigen von Wegen zur schnellen Erschließung der Potentiale der Community zur Sicherstellung des Bedarfs an Krankenhäusern und sonstigen medizinischen Einrichtungen.

Kontakt:
Dr.-Ing. Kai Lindow
Abteilungsleiter Informations- und Prozessteuerung
Telefon +49 30 39006-214

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