Pressemitteilung sendler\circle: Begriffsklärung zum digitalen Zwilling

08.02.2019

Seit einigen Jahren wird immer häufiger von digitalen Zwillingen gesprochen. Damit sind Modelle gemeint, die bestimmte Eigenschaften von realen Objekten digital spiegeln. Es gibt sie in immer mehr Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Wie bei vielen Neuerungen der digitalen Welt bedarf es auch beim Begriff des digitalen Zwillings einer Klärung, was damit genau gemeint ist.

„Ein digitaler Zwilling ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts aus der realen Welt.“ So lautet der erste Satz der Definition im deutschsprachigen Wikipedia. Dieser erste Satz ist so allgemein gehalten, dass ihm alle zustimmen.

Aber schon im zweiten Satz und erst recht in der Beschreibung der Anwendungsbereiche wird es ungenau. Angeblich gilt danach etwa: „Haupteinsatzgebiet ist die Produktionstechnik.“ Tatsächlich sind aber sämtliche Prozesse sämtlicher Industrien Einsatzgebiete, und derzeit ist überhaupt nicht absehbar, ob eins – und wenn welches – davon sich als besonders wichtig erweisen wird.

Der sendler\circle, die Interessengemeinschaft der Anbieter von Software und Services für den Einsatz im industriellen Produkt-Lebenszyklus, hat sich deshalb auf folgende Definition geeinigt, der alle Mitglieder zustimmen. Dies sind derzeit Dassault Systèmes, ECS, Eplan, ICP Solutions, keytech Süd, oose Innovative Informatik, PROCAD, SAP, Siemens PLM Software und XPLM Solutions.

Der digitale Zwilling in der Industrie

Ein digitaler Zwilling ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts aus der realen Welt. (deutschsprachiges Wikipedia)

Für die Industrie hat der digitale Zwilling eine besondere Bedeutung. Seine Existenz und Nutzung in den Prozessen der industriellen Wertschöpfung kann für die Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Dies gilt insbesondere seit Anfang der Zehnerjahre dieses Jahrhunderts, seit das Internet der Dinge die Herstellung von digital gesteuerten und vernetzten Produkten aller Art mit integrierten Dienstleistungen möglich macht.

In der Industrie gibt es digitale Zwillinge beispielsweise für Produkte, Produktionsanlagen, Prozesse und Dienstleistungen. Sie können auch schon vor dem realen Zwilling existieren, zum Beispiel als Designmodelle künftiger Produkte. Und sie können dazu dienen, Daten aus dem Einsatz der realen Zwillinge zu analysieren und auszuwerten. Sie haben unterschiedlichste Zwecke und Funktionen.

Ihr besonderer Wert für die Industrie ergibt sich aus der Einsparung physikalischer Prototypen und der Möglichkeit, Verhalten, Funktionalität und Qualität des realen Zwillings unter jedem relevanten Aspekt zu simulieren. Dieser Wert kann für alle Teile der Wertschöpfung über den gesamten Lebenszyklus von Produkten, Anlagen und Dienstleistungen genutzt werden.

Ein digitaler Zwilling nimmt verschiedenste Formen an. Er kann zum Beispiel aufbauen auf einem Verhaltensmodell der Systementwicklung, einem 3D-Modell oder einem Funktionsmodell, das mechanische, elektronische und andere Eigenschaften und Leistungsmerkmale des realen Zwillings im Lauf einer modellbasierten Ausgestaltung möglichst realistisch und umfassend abbildet.

Die unterschiedlichen digitalen Zwillinge können miteinander verknüpft sein und auch eine umfangreiche Kommunikation und Interaktion mit den realen Zwillingen erlauben. Dann spricht man von einem digitalen Faden (digital thread), der sich durch den gesamten Produktlebenszyklus ziehen und noch weitere produktrelevante Informationen einschließen kann. Den größten Nutzen hat ein Unternehmen tatsächlich von solch einem durchgängigen digital thread. Er erlaubt die Optimierung über verschiedene Wertschöpfungsprozesse hinweg und die Ausschöpfung der größten Palette von Möglichkeiten für digitale Geschäftsmodelle und über Produkte angebotene Dienstleistungen.

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