Siemens auf der SPS: Trommelfeuer-Angebot für die digitale Industrie

29.11.2018

Auf der SPS 2018 stellte Siemens eine ganze Palette von neuen Geräten und Lösungen vor, mit denen die Industrie ihre digitale Transformation umsetzen kann. Die Schlagworte: Siemens Industrial Edge, Simatic Edge mit KI, Industrielle Kommunikation, Industrielle Services.

Klaus HelmrichKlaus Helmrich (Foto Sendler), im Vorstand der Siemens AG für die Divisionen Digital Factory sowie Process Industries and Drives zuständig, begann die Pressekonferenz mit offiziellen Zahlen, die die hohe Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Industrie belegen: Er stellt 99% der Unternehmen, liefert 50% der Wertschöpfung, bietet 60% der Arbeits- und 80% der betrieblichen Ausbildungsplätze und hält 90% aller Patentanmeldungen. Warum das für Siemens wichtig ist? Klaus Helmrich: „Siemens sieht sich in der Lokomotiv-Funktion, um dem Mittelstand zu helfen, seine digitale Transformation schnell zu realisieren.“ Oder anders: Der größte Kunde von Siemens ist der industrielle Mittelstand.

Aus Sicht von Siemens ist die deutsche Industrie unter Hochdruck auf dem Weg. Mit einem wahren Trommelfeuer neuer Geräte und Lösungen soll das Tempo noch weiter erhöht werden. Alles, was standardisiert werden kann, will der Konzern der Fertigungs- und Prozessindustrie fertig zum sofortigen Einsatz bieten.

Simatic Edge DeviceSimatic Edge Device (photo Siemens)

Siemens Industrial Edge hilft den Unternehmen, Software-Apps zur Steuerung und Analyse von Maschinen und Anlagenkomponenten unmittelbar an die Maschinen zu bringen. Statt unternehmenszentraler Steuerung und Analyse oder Übertragung der Daten in die Cloud, um sie dort zu analysieren, lassen sich wichtige Daten sofort an Ort und Stelle auswerten und nutzen. Die Edge-Geräte verfügen über offene Schnittstellen, über die der Nutzer seine eigenen Apps in verschiedensten Programmiersprachen erstellen kann. Für Vertrieb und Nutzung der Apps gibt es einen Edge App Store.

Ein weiteres Gerät, ein KI-Modul für die Maschinensteuerung Simatic S7-1500, macht Maschinenlernen unmittelbar auf der Feldebene einfach. Es bietet die Technologie künstlicher neuronaler Netze zur Verarbeitung von Daten aus der Maschinennutzung ebenso wie zur Erkennung und Verarbeitung unbekannter Werkstücke etwa beim Handling durch Roboter. Nach Angaben von Siemens ist zur Anwendung kein zeitaufwendiges Training erforderlich.

Die zentimetergenaue Lokalisierung von Produktionsmitteln im Rahmen der Intralogistik oder von Produkten und Anlagen, etwa von Zügen oder Fahrzeugen zum Flottenmanagement, und zwar in Echtzeit, unterstützt das Simatic Real-Time Location System (RTLS).

Aus der strategischen Allianz mit Bentley Systems kommt das Angebot PlantSight Cloud Services, mit dem nun alle Anlagendaten, ein Gemisch aus virtuellen und Computerdaten in 1D/2D und 3D, über ein Web-Portal jederzeit aktuell zur Verfügung gestellt werden.

Für die industrielle Kommunikation zwischen Produktionsebene und Büroumgebung will Siemens mit einer weiteren strategischen Partnerschaft, hier ist es das HP Enterprise Unternehmen aruba, durchgängige Netzwerke bieten. Information Technology und Operation Technology, IT und OT, wachsen zusammen.

Und über all dem ist mit MindSphere das Dach geschaffen, das die Verknüpfung beliebiger Daten aus allen erdenklichen Umgebungen in der Cloud möglich macht. 37 Mitglieder hat die im Januar gegründete deutsche MindSphere World Nutzervereinigung, 18 schon die im Sommer in Italien gegründete. MindSphere hat für Siemens zentrale Bedeutung. Hier entsteht ein Ökosystem, das eine wachsende Liste von möglichen Infrastrukturen (AWS, Microsoft Azure und ab 2019 auch Alibaba) aufweist und für das Anwender und Nutzer in offenbar schnell wachsendem Umfang Industrie-Apps unterschiedlichster Art bauen.

Und hier wird Siemens auch zum Kunden seiner Kunden. Klaus Helmrich brachte das Beispiel des Technikausrüsters Schmalz (zum Beispiel Greifer für die Produktion), dessen App zur Überprüfung der Sauberkeit von Greifern bei Siemens für vorausschauende Wartung im Elektronikwerk Amberg bezahlt und genutzt wird.

Es ist erst fünf Jahre her, da haben noch viele geunkt, Industrie 4.0 sei nur eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ein Hype, sicher bald wieder durch den nächsten abgelöst. Was für eine Fehleinschätzung! Die Industrie hat in Deutschland in den letzten 30 Jahren Hervorragendes geleistet, um technologisch bezüglich der mechatronischen Produkte und der Qualität modernster Automatisierung das Weltniveau zu setzen und eine große Zahl von Arbeitsplätzen zu erhalten. Jetzt geht sie daran, die Welt der digitalen Industrie zu gestalten. Und der Großkonzern Siemens liefert dafür Standards und Geräte derzeit wie vom Fließband.

Von Siemens PLM Software war wenig zu hören und zu sehen auf der SPS. Auch das ist ein Aspekt der Digitalisierung der Industrie. Es ist nicht mehr so entscheidend, mit welcher Software welcher Arbeitsschritt erledigt wird. Immer entscheidender wird, wie sich Produkt und Produktion vernetzen und ihre Daten über die Cloud nutzen lassen.

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